Die Fahnen der EU, Deutschlands und Frankreichs (Foto: dpa/Michael Kappeler)

Fünf Jahre Frankreichstrategie: Kleine Schritte zur Zweisprachigkeit

Marc-André Kruppa   21.01.2019 | 08:26 Uhr

Die Verkündung heute vor fünf Jahren schlug bundesweit hohe Wellen: Das Saarland soll das erste mehrsprachige Bundesland werden. Ein halbes Jahrzehnt ist seitdem ins Land gezogen. Es geht voran – aber nur langsam.

Es ist ein Ziel, das sich bisher noch kein Bundesland gesetzt hat: Bis 2043 soll die Sprache unserer Nachbarn im Saarland zweite Verkehrssprache werden. Deutsch soll Mutter- und Amtssprache bleiben, und das Englische darf selbstverständlich auch nicht vernachlässigt werden. So zumindest der ehrgeizige Plan der Landesregierung.

Um die Annäherung an Frankreich auf sprachlicher, kultureller und wirtschaftlicher Ebene zu erreichen, wurde eine Art Fahrplan („feuille de route“) aufgestellt, in dem die Zielsetzungen der Frankreichstrategie in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft, Sprache und Politik dargestellt sind. Bis das Saarland wirklich zweisprachig ist, gibt es noch einiges zu tun.

Was bisher erreicht wurde

Sprechen Sie Französisch?
Audio [SR 3, Marc-André Kruppa, 21.01.2019, Länge: 00:43 Min.]
Sprechen Sie Französisch?
Das Saarland gilt als das französischste aller Bundesländer. Aber sprechen die Saarländerinnen und Saarländer fünf Jahre nach Ausrufen der Frankreichstrategie tatsächlich besser die Sprache des Nachbarn? Eine - natürlich nicht repräsentative - Umfrage.

Rund 40 Prozent aller Kitas verfolgen im Saarland bisher ein zweisprachiges Konzept. Viele von ihnen beschäftigen bereits französische Muttersprachler als Erzieherinnen und Erzieher.

An allen Grundschulen ist der Französischunterricht ab der 3. Klasse verbindlich. An 47 der 162 Grundschulen gibt es ihn schon ab der 1. Klasse. Im Sekundarbereich ist Französisch nicht die verpflichtende erste Fremdsprache.

Im wirtschaftlichen Bereich gibt es einzelne Erfolge zu verzeichnen: Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) ist Frankreich seit 2017 der wichtigste Export-Markt des Saarlandes. Dieser Spitzenplatz hängt aber auch mit dem Brexit zusammen. Denn dadurch schwächeln die Beziehungen zu Großbritannien.

Seit diesem Jahr können Handelsangelegenheiten und grenzüberschreitende Streitigkeiten am Saarbrücker Landgericht auch auf Französisch verhandelt werden. Für Unternehmen soll das eine zusätzliche Motivation sein, sich im Saarland anzusiedeln.

Was noch erreicht werden soll

Im Bildungsbericht gibt die Landesregierung zu, dass die flächendeckende Versorgung mit Französischunterricht schneller vorangetrieben werden muss. Ein Problem dabei: Finden sich genügend Französisch-Muttersprachler, um als Pädagoginnen und Pädagogen in den Kindergärten und Schulen zu lehren?

Fünf Jahre Frankreichstrategie [Audio SR 3, Karin Mayer, 21.01.2019, Länge: 03:09 Min.]
Saar-Wirtschaft stark nach Frankreich ausgerichtet

Seit Ende 2018 haben Kitas die Möglichkeit, eine Anschubfinanzierung für zusätzliche Personalstunden und frankophone Fachkräfte zu erhalten. Geplant ist, dieses Angebot noch zu erweitern.

Der Ratspräsident des Départements Moselle, Patrick Weiten, hat bei seinem Besuch im saarländischen Landtag vorgeschlagen, Schulpartnerschaften zwischen allen Schulen in Moselle und dem Saarland einzurichten. Darüber hinaus will er sich mit den Bürgermeistern in Moselle treffen und ihnen Geld für mehr Deutschunterricht an Schulen zusichern.

Mehr Französisch im Saarland

Video [aktueller bericht, 21.01.2019, Länge: 4:08 Min.]
Bilanz zur Frankreichstrategie des Saarlandes

Der saarländische Europa-Staatssekretär Roland Theis (CDU) kündigte an, dafür zu sorgen, dass künftig touristische Beschilderungen und offizielle Websites auch auf Französisch verfügbar sein sollen, zum Beispiel die der Ministerien. Dies soll das Alleinstellungsmerkmal des Saarlandes als „französischstes aller Bundesländer“ stärken. 

Außerdem ist ein sogenanntes „Agendapapier“ geplant: Eine Art To-Do-Liste, in der festgehalten werden soll, was Landesregierung, Bürger und Unternehmen noch für das Ziel Zweisprachigkeit tun können.

Das Tempo muss steigen

Die Verkündung der Frankreichstrategie war ein prestigeträchtiges Projekt, das dem Saarland breite mediale Aufmerksamkeit beschert hat. Fünf Jahre später lässt sich festhalten, dass in vielen Bereichen schneller gearbeitet werden muss, um die selbstgesteckten Ziele bis 2043 zu erreichen.

Kindergartenkinder können im Erlernen der französischen Sprache immer noch „durchrutschen“. Das heißt, sie lernen die Sprache nicht flächendeckend bis zum Studium oder zur Berufsausbildung. In diesem Punkt werfen Kritiker der Landesregierung häufig vor, nicht genügend finanzielle Mittel bereitzustellen. Die aber braucht es, um die ambitionierten Ziele zu erreichen und das Bild eines kulturell und sprachlich an Frankreich angepassten Saarlandes zu festigen.

Fünf Jahre Frankreichstrategie [Audio SR 3, Lisa Huth, 21.01.2019, Länge: 03:15 Min.]
Eine kritische Würdigung

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