Smbolbild: Eine Person ertastet die Brailleschrift. (Foto: dpa)

Aufklärungskampagne der Landesregierung startet

Sarah Sassou   02.10.2021 | 11:40 Uhr

Wer gut ausgebildet ist, der hat es bei der Suche nach einem Job leichter. Wenn die Person aber eine Schwerbehinderung hat, dann ist es selbst mit guter Ausbildung ein mühsamer Weg. Denn noch immer scheuen sich viele Unternehmen offenbar, Behinderte einzustellen. Dabei ist diese Scheu gar nicht nötig, findet das Inklusionsamt vom Landesamt für Soziales und startet nun eine Aufklärungskampagne.

"Mich behindert nichts!", so der Titel. Die Gesichter der Aktion sind drei behinderte Menschen, die von ihrer Arbeit in saarländischen Unternehmen berichten, um so anderen Arbeitgebern zu zeigen: Auch Menschen mit Behinderung können ihre Leistung im Job bringen.

Mit 13 Jahren erblindet

Aufklärungskampagne "Inklusion gewinnt!" startet
[SR 3, Sarah Sassou, 02.10.2021, Länge: 03:11 Min.]
Aufklärungskampagne "Inklusion gewinnt!" startet

Eine davon ist Manuela Veith. Sie kommt aus Püttlingen, ist 42 Jahre alt, vollblind und: berufstätig. Sie sitzt hinter einer Milchgleisscheibe am Eingang des Klinikums Saarbrücken. Mit einer sehenden Kollegin zusammen ist sie zuständig für die Anrufe, die im Krankenhaus ankommen. Vor ihr auf dem Schreibtische hat sie zwei Computerbildschirme und zwei Tastaturen, die auf einer schwarzen Platte liegen, am vorderen Rand sind kleine weiße Punkte aufgeprägt. Die Buchstaben der Brailleschrift, also der Blindenschrift.

Viel mehr Hilfsmittel sind für die 42-Jährige am Arbeitsplatz nicht notwendig. Auf dem Computer ist ein Programm installiert, das alles Geschriebene in Sprache umwandelt, erklärt Veith. Ein weiteres Hilfsmittel liegt hinter ihr in der Ecke: Blindenhündin Saffia. Mit ihr bewältigt Manuela Veith jeden Tag den Weg von Püttlingen zur Arbeitsstelle auf dem Saarbrücker Winterberg.

Manuela Veiths war nicht immer blind. Mit 13 löste sich ihre Netzhaut ab, sie erblindete vollständig. Sie wechselte im 7. Schuljahr nach Lebach in eine Blinden- und Sehbehindertenschule, wo nur der Hauptschulabschluss möglich war. "Dann war ich noch drei Jahre in Stuttgart und habe dort kaufmännische Bürofachschule gemacht mit einer Telefonieausbildung mit drin". Die anschließende Suche nach einem Job war schwierig, erzählt Veith weiter. Sie kam schließlich bei ihrem Hausarzt unter und arbeitete dort 15 Jahre in der Praxisorganisation, bevor sie zum Klinikum wechselte. Hier ist sie eine von 120 schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Inklusionsamt als Ansprechpartner für Arbeitgeber

Eigentlich muss jedes Unternehmen in Deutschland, das im Monat mehr als 20 Arbeitsplätze hat, Schwerbehinderte beschäftigen. Wer das nicht tut, muss dafür eine Ausgleichszahlung leisten. Viele Betriebe zahlen die lieber, als Behinderte einzustellen. Ängste und falsche Vorstellungen scheinen zu hemmen, vermutet Thomas Hesse, Personaldirektor des Klinikums Saarbrücken.

Ganz gleich, ob großer Konzern oder kleiner Betrieb - alle können behinderte Menschen einstellen, findet er: "Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man erst mal als Personalchef mit der Grundeinstellung an das Thema rangeht." Dann könne man mit dem Inklusionsamt erörtern, welche Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, damit ein Arbeiten auch wirklich möglich ist.

Das Inklusionsamt klärt auch auf bei arbeitsrechtlichen Fragen, zum Beispiel, wenn es um die Kündigung von Schwerbehinderten geht. Denn natürlich geht so ein Beschäftigungsverhältnis nicht immer gut.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 02.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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