Eine Stimme von SR 2: Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Nur über den Preis kann die Mobilitätswende nicht gelingen"

Ein Kommentar von Stephan Deppen   11.01.2023 | 10:27 Uhr

Das Saarland führt ein sogenanntes Junge-Leute-Ticket für Bus und Bahn im Saarland ein, so hat es Mobilitätsministerin Petra Berg angekündigt. Es wird umgesetzt, sobald das bundesweite 49-Euro-Ticket für den Nahverkehr eingeführt wird. Bei einzelnen Tarifen werden zum ersten Februar die Preise steigen. Insgesamt eine gute Entscheidung, findet Reporter Stephan Deppen.

Die Landesregierung hat geliefert: Junge Menschen können künftig für einen Euro am Tag Busse und Bahnen im Saarland nutzen, so weit und so oft sie wollen. Damit wird das im Wahlkampf versprochene 365-Euro-Ticket umgesetzt.

Mit dem neuen Fahrschein sparen Eltern beziehungsweise junge Erwachsene gegenüber heute viel Geld. Schade nur, dass die Neuregelung nicht zum ersten Februar, sondern erst dann konkret in Kraft tritt, wenn auch das Deutschland-Ticket offiziell startet.

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Kommentar zum Junge-Leute-Ticket der Landesregierung
Audio [SR 2, Stephan Deppen, 11.01.2023, Länge: 02:37 Min.]
Kommentar zum Junge-Leute-Ticket der Landesregierung

Preiserhöhung ab ersten Februar

Dieser deutschlandweit gültige Fahrschein für den öffentlichen Personen-Nahverkehr ist grundsätzlich beschlossen, soll zum ersten April oder ersten Mai starten. Dann wird über die Tarifstruktur im saarländischen Verkehrsverbund ohnehin noch mal grundsätzlich gesprochen und verhandelt werden müssen.

Denn alles, was über 49 Euro im Monat kostet, dürfte dann eigentlich unverkäuflich sein. Insofern ist die jetzt getroffene Entscheidung auch richtig, die Preise für die SaarVV-Flat-Abos bis dahin im Preis unverändert zu lassen. Für alle anderen Tarife werden die Preise ab ersten Februar erhöht, moderat um 4,8 Prozent. Nicht schön, aber unausweichlich.

Auch qualitativ muss geliefert werden

Diese 4,8 Prozent liegen unterhalb der Inflationsrate und decken nicht alle Preissteigerungen der letzten Monate ab. Hier hilft das Land den Verkehrsunternehmen mit Millionen Euro. Aber die Preise sind nur eine Seite der Medaille: Wer den ÖPNV zum Rückgrat der Mobilitätswende erklärt, muss auch qualitativ liefern. Heißt: Das Angebot muss stimmen.

Das hat das Land erkannt, erhöht seine Ausgaben für den ÖPNV und würdigt auch die finanziellen Anstrengungen des Bundes, der mehr Geld über die sogenannten Regionalisierungsmittel an die Länder auszahlt.

Wieder einmal warten auf Gutachten

Und doch ist nicht alles gut, das Land muss beim schienengebundenen ÖPNV endlich in die Gänge kommen: Warum fährt die Saarbahn noch immer nicht nach Neuscheidt? Warum hat der Investor auf dem ehemaligen Messegelände am Schanzenberg noch immer keine Zusage, dass die Saarbahn dorthin fährt, obwohl das Gleis dort schon liegt. Warum gibt es für die Strecke Merzig-Losheim noch kein grünes Licht?

Es fehlen noch weitere Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die sollen im Sommer vorliegen. Wieder einmal warten auf Gutachten. Und die Busse? Solange die Verbindungen auf dem Land so sind, wie sie sind, wird niemand sein Auto stehen lassen. Nur über den Preis kann die Mobilitätswende nicht gelingen.

Immerhin: Mit dem jetzt präsentierten Junge-Leute-Ticket und der nur moderaten Preiserhöhung ist die eine Seite der ÖPNV-Medaille herausgeputzt. Aber der wahre Wert ergibt sich erst, wenn auch die andere Seite poliert ist. Und da geht es einfach zu schleppend voran.

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Ein Thema am 11.01.2023 in der "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle und in "Der Morgen" auf SR 2 Kulturradio.

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