Esra Limbacher  (Foto: Werbewinzer/Pressefoto)

"Ich spüre eine enorme Verantwortung"

Interview der Woche mit Esra Limbacher, Bundestagsabgeordneter der SPD

Nelly Thelen   23.07.2022 | 13:29 Uhr

Steigende Preise, Zuschüsse für Bürgerinnen und Bürger oder Waffenlieferungen an die Ukraine: Im Bundestag sind es Volksvertreterinnen und Volksvertreter, die in den vergangenen Monaten über folgenschwere Fragen abgestimmt haben. Darunter viele junge Abgeordnete, die neu im Bundestag sitzen. So auch der 33-Jährige Esra Limbacher aus Homburg. Nelly Thelen hat ihn im Bundestag getroffen und mit ihm über die ersten Monate seiner Amtszeit gesprochen.

Seit der Wahl im vergangenen Herbst sitzt eine Reihe sehr junger Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Darunter auch der 33-jährige Esra Limbacher (SPD) aus Homburg. Russlands Angriff auf die Ukraine hat auch seine alltägliche Arbeit stark verändert.

"Es ist das, was Olaf Scholz beschrieben hat: Eine Zeitenwende", sagt Limbacher. Es habe in den vergangenen Monaten eine Reihe wirklich schwerer Entscheidungen gegeben, gerade für junge Abgeordnete. Dabei nennt der SPD-Politiker die Waffenlieferungen an die Ukraine oder das Sondervermögen für die Bundeswehr.

"Die Welt ist eine andere geworden"

Er spüre zurzeit eine "enorme Verantwortung", so Limbacher. "Die Welt ist eine andere geworden, seitdem wir unsere Wahlprogramme geschrieben haben." Es sei selbstverständlich darauf jetzt zu reagieren und die eigene Politik anzupassen.

Besonders besorgt sei er über die Preissteigerungen in Deutschland, sagt Esra Limbacher. Diese träfen die, die sich ohnehin nicht alles leisten können. "Die Politik hat die Aufgabe das abzufedern. Aber alles kann die Politik nicht auffangen. Das ist ein innerer Konflikt, der mich sehr beschäftigt.“

Limbacher will Sorgen im Wahlkreis ernstnehmen

Ihm sei es in der aktuellen Situation besonders wichtig, nicht den Kontakt zu seinem Homburger Wahlkreis zu verlieren. "Man ist in Berlin oft in einer Blase, in der man gewisse Probleme nicht mehr erkennt." Limbacher versuche deshalb möglichst viel im Wahlkreis präsent zu sein und den Menschen dort zuzuhören.

Die Untersützung von Renterinnen und Rentnern und die Zukunft der saarländischen Industrie seien Themen, die er mit nach Berlin nehme. "Wir diskutieren über diese wichtigen Themen auch in der Fraktion, dort kann jeder seine Sicht der Dinge äußern", sagt Esra Limbacher.

Mit "mulmigem Gefühl" in die Sommerpause

Enttäuscht oder desillusioniert sei er von den ersten turbulenten Monaten seiner Amtszeit nicht. Auch bereue er es nicht, nach Berlin gegangen zu sein. Und das trotz des SPD-Wahlerfolgs bei den Landtagwahlen im Saarland. "Das ist sehr wertvoll, was im Saarland passiert ist. Wir können viel mit den Politikerinnen und Politikern erreichen, die dort sind."

Auf die kommenden Monate und die mögliche Gaskrise blickt Esra Limbacher mit Sorge. Er gehe mit einem "mulmigen Gefühl" in die Sommerpause, sagt der SPD-Abgeordnete. Er befürchtet, dass ernste wirtschaftliche Probleme auf Deutschland zukommen.

"Ich spüre eine enorme Verantwortung"
Audio [SR 2, Nelly Thelen, 23.07.2022, Länge: 15:17 Min.]
"Ich spüre eine enorme Verantwortung"


Hinweis in eigener Sache

Entstanden ist das Interview der Woche im Rahmen der SR-Langzeitbeobachtung "Politik für eine Million - fürs kleine Saarland in Berlin". Sie können die crossmediale Produktion im Youtube Kanal des Saarländischen Rundfunks und der Mediathek sehen. Am 30.07. senden wir in der "Bilanz am Mittag" das ebenfalls in diesem Rahmen entstandene Interview mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Nadine Schön.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 23.07.2022 auf SR 2 KulturRadio.

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