Tomatenzucht - heranreifende Tomaten. (Foto: SR)

Für mehr Wettbewerb auf den Saatgutmärkten

Ein Gespräch mit Prof. Matin Qaim vom Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) über Wege aus der Nahrungsmittelkrise

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   29.04.2022 | 08:25 Uhr

Prof. Matin Qaim vom Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung sieht gentechnisch verändertes Saatgut durchaus als einen "wichtigen Teil der Lösung" für die internationale Nahrungsmittelkrise. Im Markt müsse allerdings Forschung und Wettbewerb auch für kleinere Entwickler möglich sein.

Millionen von Menschen weltweit erleben vor dem Hintergrund der vielen globalen Krisen Hunger und Mangelernährung. Können züchterisch und gentechnisch veränderte Pflanzen helfen, die Erträge zu steigern?

Gentechnik "wichtiger Teil der Lösung"

"Es ist nicht die Lösung schlechthin", sagte Prof. Matin Qaim, der Direktor des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF), im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger, "aber es könnte ein wichtiger Teil der Lösung sein".


Im Interview: Prof. Martin Qaim
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 29.04.2022, Länge: 05:01 Min.]
Im Interview: Prof. Martin Qaim


Immerhin erlaube die moderne Gentechnik weit größere Produktionsmengen bei gleichzeitig "weniger Chemie" - und das auch noch "besser Klima-angepasst", sagte Qaim.

Pro Wettbewerb

Wichtig sei, dass auf den Saatgutmärkten Wettbewerb möglich sei, so dass nicht nur multinationale Firmen, sondern auch "kleinere Unternehmen und auch öffentliche Einrichtungen" entsprechende Techniken entwickeln könnten. Dazu müssten allerdings einige Hürden abgebaut werden - zum Beispiel in der Frage der Patente.

Forschung ja, Monopole nein

Insgesamt gelte es, "eine Balance" zu "schaffen zwischen Anreize für Forschung, auch für private Forschung, aber eben nicht eine Situation schaffen, wo wir tatsächlich Monopole für Technolgien haben". Auch der Konsum müsse nachhaltiger werden, mahnte Qaim.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 29.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine heranreifende, noch grüne Tomate (Archivfoto: SR Fernsehen).

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