Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, feiert mit seinen Anhängern vor dem Eiffelturm den Wahlsieg vom 24. April 2022. (Foto: picture alliance/dpa/AP | Rafael Yaghobzadeh)

Sieger Macron vor "ganz schwierigen" Aufgaben

Ein Gespräch mit Frankreich-Korrespondentin Sabine Wachs nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   25.04.2022 | 07:55 Uhr

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich bei der Stichwahl am 24. April gegen Marine Le Pen durchgesetzt. Nun stehe Macron vor der sehr schwierigen Aufgabe, die Gräben in der französischen Gesellschaft zu schließen, meint Frankreich-Korrespondentin Sabine Wachs im SR-Interview.

Amtsinhaber Emmanuel Macron hat die Stichwahl zur Präsidentschaft in Frankreich am 24. April mit gut 58 Prozent klar für sich entschieden und darf damit weitere fünf Jahre der Chef im Elysée-Palast bleiben.

Er verstehe sich als "Präsident aller Franzosen" - auch jener, die lieber Le Pen als Siegerin gesehen hätten, hatte Macron am Fuße des Eiffelturms verkündet. Ihm sei bewusst, dass viele Menschen ihn allerdings nur gewählt hätten, um Le Pen zu verhindern.


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"Mit der Faust in der Tasche" für Macron

Das sieht auch Frankreich-Korrespondentin Sabin Wachs so: Viele hätten ihre Stimme für Macron nur "mit der Faust in der Tasche und mit zwei zugedrückten Augen" abgegeben, erklärte sie im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Immerhin habe Le Pen gerade in den vergangenen fünf Jahren "hart gearbeitet", um ihr Bild in der Öffentlichkeit aufzupolieren und sich "vor allem für die Konservativen wählbar zu machen". "Sie ist jetzt präsidiabler" und werde von vielen Menschen durchaus als fähig angesehen, das Präsidentenamt zu führen, sagte Wachs.

Fast ein Drittel blieb zuhause

28 Prozent der Wahlberechtigten, darunter "viele aus dem ganz linken Lager", hätten allerdings lieber auf ihr Stimmrecht verzichtet - auch, weil sie weder Macron noch Le Pen ganz oben sehen wollten, gab Wachs zu bedenken.

Schwieriger Interessenausgleich

Nun stehe Macron vor der Aufgabe, die Gräben in der französischen Gesellschaft zu schließen: Dafür müsse er es schaffen, den "linken Rand" mit einzubinden, zugleich Antworten auf die Wut und den Ärger der Le Pen-Wähler zu finden und am Ende eine Regierung zu bilden, die auch noch die Interessen der Grünen berücksichtige.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 25.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Emmanuel Macron beim Feiern mit seinen Anhängerinnen und Anhängern am Abend des 24. April in Paris (Foto: picture alliance/dpa/AP | Rafael Yaghobzadeh).

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