Enttäuschte Anhänger von Marine Le Pen nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen zur französischen Präsidentschaftswahl (Foto: picture alliance/dpa/AP | Michel Euler)

Carling und L’Hôpital: 70 Prozent für Le Pen

Ein Gespräch mit Frankreich-Expertin Lisa Huth nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   25.04.2022 | 08:45 Uhr

In der Region "Moselle Est" unmittelbar jenseits der saarländischen Grenze hätten die weitaus meisten Wählerinnen und Wähler lieber Marine Le Pen als neue Präsidentin gesehen. Frankreich-Expertin Lisa Huth erläutert den Stand der Dinge nach dem Wahlabend.

Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nach seinem Wahlsieg vom 24. April zwar weitere fünf Jahre Präsident Frankreichs bleiben - in der grenznahen Region "Moselle Est" an der saarländischen Grenze aber hätten die meisten Bürgerinnen und Bürger lieber Marine Le Pen als Chefin des Elyséepalasts gesehen. In Carling und L’Hôpital etwa entschieden sich sieben von zehn Wählerinnen und Wählern für die Kandidatin des Rassemblement National.

Mehr Soziales, aber spätere Rente?

Im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger erläutert Frankreich-Expertin Lisa Huth die Hintergründe für die Diskrepanz mit einem Brecht-Zitat: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". Angesichts des Wirtschaftsaufschwungs in Frankreich könne Macron seine Gegnerinnen und Gegner vielleicht mit einer sozialeren Politik und einer Senkung der Arbeitslosigkeit "befrieden". Dem stehe allerdings Macrons Ankündigung gegenüber, das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre zu erhöhen.


Im Interview: Frankreich-Expertin Lisa Huth zur Wahl
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 25.04.2022, Länge: 03:40 Min.]
Im Interview: Frankreich-Expertin Lisa Huth zur Wahl


Land gespalten

Für die Region Grand Est erwarte sie eine Fortführung des politischen Kampfes zwischen den Anhängerinnen und Anhängern links- und rechtsextremen Positionen. Und mit Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen schickten sich die Spitzenkanidaten zweier extremer, verfeindeter Parteien frankreichweit an, Mitte Juni 2022 die Mehrheit in der Nationalversammlung zu erringen, um den Posten des Ministerpräsidenten zu bekleiden und so den Druck auf Präsident Macron zu erhöhen. "Das wäre dann der Start eines fünfjährigen Wahlkampfs", so Huth.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 25.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt enttäuschte Anhängerinnen und Anhänger von Marine Le Pen nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen zur französischen Präsidentschaftswahl (Foto: picture alliance/dpa/AP | Michel Euler).

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