Ein ukrainischer Soldat auf einem Panzer (Foto: picture alliance/dpa/AP | Evgeniy Maloletka)

"Entscheidungsschlacht im Osten der Ukraine"

Ein Interview mit Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Saskia Bommer  

Der Militärexperte Ulrich Kühn hält eine baldige Entscheidungsschlacht im Osten der Ukraine für möglich - ebenso wie ein "Festfahren" der Situation. Es sei sinnvoll, dass die NATO bisher keine eigenen Soldaten in die Ukraine geschickt habe, so Kühn im SR-Interview.

Ulrich Kühn, der Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg geht davon aus, dass es demnächst zu einer Entscheidungsschlacht im Osten der Ukraine kommen könnte.

"Indirekte Kriegsparteien"

Das Drängen nach verstärkten Lieferungen auch schwerer Waffen von deutscher Seite ist für Kühn eindeutig ein "Teil der Zeitenwende". Waffen sind für den Friedensforscher aber immer noch Waffen, egal für welchen Zweck sie eingesetzt werden. Der Westen, die EU, Teile der NATO bzw. der NATO-Staaten und Deutschland würden somit zu "indirekten Kriegsparteien", gab Kühn im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger zu bedenken: "Die Frage ist, was brauchen die Ukrainer jetzt und wie schnell brauchen sie es".


Im Interview: Ulrich Kühn
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 12.04.2022, Länge: 06:26 Min.]
Im Interview: Ulrich Kühn


Druck auf westliche Hauptstädte erhöht

Dass die NATO bisher keine eigenen Soldaten in die Ukraine geschickt habe, betrachtet Ulrich Kühn als sinnvoll. "Sobald die NATO eingreift, wäre für Russland eine rote Linie überschritten". Denn Putin, so Kühn, betrachte die Ukraine historisch gesehen als einen Teil Russlands.

Durch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, wie sie womöglich in Mariupol eingesetzt worden seien, sehe er den Druck auf die westlichen Hauptstädte erhöht, militärisch einzugreifen. Doch aufgrund der nuklear bewaffneten Macht Russlands müsse "man mit solchen Überlegungen sehr vorsichtig sein", sagte Kühn.

Kämpfe könnten andauern

Eine Entscheidungsschlacht im Osten der Ukraine hält Ulrich Kühn für ebenso wahrscheinlich wie ein "Festfahren" der Situation: Womöglich könnten die Kämpfe um die Ukraine noch Wochen, Monate oder sogar Jahre andauern.


Hintergrund:

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell drängen auf eine Verstärkung der Waffenlieferungen an die Ukraine. Hintergrund ist eine womöglich kriegsentscheidende Großoffensive, die Russland in den kommenden Tagen im Osten der Ukraine starten könnte.

tagesschau.de
Liveblog zum Krieg in der Ukraine
Der russische Angriff auf die Ukraine hält die Welt in Atem. Informationen zur aktuellen Lage hier im Liveblog von tagesschau.de


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 12.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 11. April 2022 zeigt einen ukrainischen Soldaten, der auf einem Panzer in einem Außenbezirk von Kiew fährt (Foto: picture alliance/dpa/AP|Evgeniy Maloletka).

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