Französischer Präsidentschaftswahlwahlkampf 2022: Zettel an den Plakaten mit den Wahlkampfauftritten (Foto: SR / Lisa Huth)

"Es hat wirklich eine Erosion des Parteiensystems stattgefunden"

Ein Gespräch mit Paris-Korrespondentin Sabine Wachs nach dem ersten Durchgang der Präsidentschaftwahlen in Frankreich

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   11.04.2022 | 08:25 Uhr

Für unsere Paris-Korrespondentin Sabine Wachs ist spätestens mit dem ersten Wahlgang zur Präsidentschaftswahl in Frankreich "eine Erosion des Parteiensystems" zu beobachten. Viele Menschen wollten offensichtlich ein neues politisches System, so Wachs im SR-Interview.

Nach dem ersten Wahldurchgang vom 10. April ist klar: Der Amtsinhaber Emmanuel Macron ("En marche") und "Rassemblement National"-Frontfrau Marine Le Pen gehen am 24. April in die Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich. Macron holte 27,6 Prozent, LePen 23,4 Prozent der Stimmen.

Altparteien abgestraft

Die große Frage sei nun, wer in 14 Tagen die meisten Stimmen der Wählerinnen und Wähler der bereits ausgeschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten auf sein Konto werde verbuchen können, erklärte Paris-Korrespondentin Sabine Wachs im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Angesichts der Tatsache, dass die Kandidaten der ehemals stärksten beiden Parteien nur zwei bzw. fünf Prozent der Wählerstimmen gewinnen konnten, sei "eine Erosion des Parteiensystems in Frankreich" zu beobachten. Viele Menschen wollten offensichtlich ein neues politisches System.

Mélenchon nur knapp draußen

Die größte Aufgabe für Macron bestehe nun darin, dass er in den nächsten beiden Wochen vor allem die Bürgerinnen und Bürger links der Mitte "mobilisieren" müsse - also beispielsweise die Anhänger des Linkksaußen Jean-Luc Mélenchon, der mit 22 Prozent nur sehr knapp hinter Le Pen gelandet war. Mélenchon hat seine Anhänger bereits aufgefordert, bei der Stichwahl auf keinen Fall Marine Le Pen die Stiumme zu geben.


Im Interview: Paris-Korrespondentin Sabine Wachs
Audio [SR 2, Jochen Marmit, 11.04.2022, Länge: 04:52 Min.]
Im Interview: Paris-Korrespondentin Sabine Wachs


Frankreichwahl regional: "Nur die Reichen wählen Macron"
Audio [SR 2, Lisa Huth, 11.04.2022, Länge: 03:27 Min.]
Frankreichwahl regional: "Nur die Reichen wählen Macron"
In der Region Grand Est unmittelbar jenseits der saarländischen Grenze gab es wie in großen Teilen Ostfrankreichs offenbar mehr Zustimmung für Marine Le Pen. Sie habe in den Gemeinden in unmittelbarere Grenznähe sogar teilweise bis zu 20 Prozentpunkte vor Macron gelegen, wie SR-Reporterin Lisa Huth beobachtet hat. Bei der Parlamentswahl im Juni 2022 werde es wohl auf einen Zweikampf der extrem rechten und der extrem linken Kräfte hinauslaufen.


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Einschwören auf den 24. April
Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl landete Amtsinhaber Macron vor der Rechtspopulistin Le Pen. Vor der Stichwahl schwören beide ihre Anhänger ein - und buhlen um Stimmen der unterlegenen Kandidaten.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 11.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Zettel an den Plakaten mit den Wahlkampfauftritten zur Präsidentschaftswahl in Frankreich (Foto: Lisa Huth).

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