Zerstörte Gebäude in Borodjanka, einem kleinen Dorf in der Ukraine (Foto: picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire | Matthew Hatcher)

"Es zeichnet sich eine militärische Pattsituation ab"

Ein Interview mit dem Konfliktforscher Christopher Daase, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main, über Lösungen für den Krieg in der Ukraine

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   06.04.2022 | 07:45 Uhr

Der Konfliktforscher Christopher Daase sieht am Morgen des 6. April "eine militärische Pattsituation" in der Ukraine. Dem Westen bliebe momentan nicht viel anderes übrig, als den Druck per Waffenlieferung und Sanktionen zu erhöhen - und eventuell China zum Ende der Unterstützung Moskaus zu bewegen.

Der Konfliktforscher Christopher Daase vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt sieht momentan keine Lösung für ein schnelles Ende des Kriegs in der Ukraine.

"Eingefrorener Konflikt"

Am Morgen des 6. April zeichne sich "eine militärische Pattsituation ab", deren Folgen von Vorteil - oder womöglich auch zum Nachteil sein könnten: So ein "eingefrorener Konflikt" könne sich über Jahre hinziehen und womöglich zu einem "sehr brutalen" Guerillakrieg führen, sagte Daase im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Ein gerade diskutiertes Energie-Embargo zum Nachteil Russlands werde die "unmittelbaren Kriegshandlungen" jedenfalls nicht beeinträchtigen, sondern höchstens "langfristig sehr weh tun".


Im Interview: Christopher Daase
Audio [SR 2, Katrin Aue, 06.04.2022, Länge: 05:42 Min.]
Im Interview: Christopher Daase


Druck auf Russland und China ausüben

Der Westen könne momentan nicht viel mehr machen als bestimmte Waffen an die Ukraine zu liefern und Sanktionen und politischen Druck gegen Moskau auszuüben, meinte Daase.

Ein mögliches Mittel sehe er auch darin, "weiter Druck auf China auszuüben", damit Peking seine Unterstützung für Moskau eventuell zurückziehen könne. Nur dann sehe er eine realistisch Chance, "Russland an den Verhandlungstisch zu zwingen".

Gefahr der nuklearen Eskalation

Die entscheidenden Parteien im Konflikt seien allerdings immer noch Russland und die Ukraine - und nicht der Westen, gab Daase zu bedenken. Von einem direkten Eingreifen der NATO ins militärische Geschehen riet er deshalb ab. Denn das würde letztlich bedeuten, dass man russische Kampfflugzeuge würde abschießen müssen. Damit wäre "dann eine Ausweitung des Krieges auf Westeuropa und vielleicht sogar eine nukleare Eskalation Tür und Tor geöffnet", warnte Daase.


Hintergrund:

tagesschau.de
Liveblog zum Krieg in der Ukraine
Der russische Angriff auf die Ukraine und seine Folgen halten die Welt weiter in Atem. Informationen zur aktuellen Lage hier im Liveblog von tagesschau.de


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 06.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 5. April 2022 zeigt zerstörte Gebäude in Borodjanka, einem kleinen Dorf in der Ukraine (Foto: picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire | Matthew Hatcher).

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