Eine Pflegerin reicht einer Seniorin im Rollstuhl einen Teller mit einem Stück Kuchen (Foto: SR)

Deutsche 24-Stunden-Betreuung unter Druck

Ein Gespräch mit Frederic Seebohm, dem Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP)

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   17.03.2022 | 08:45 Uhr

Nach Einschätzung von Frederic Seebohm vom Verband für häusliche Betreuung und Pflege übt der Zustrom von Flüchtlingen aus der Ukraine schon jetzt Druck auf den deutschen 24-Stunden-Betreuungsmarkt aus. Im SR-Interview machte er sich für rechtlich klare Verhältnisse stark.

Rund 300.000 Familien in Deutschland sind rund um die Uhr auf Unterstützung zur Pflege ihrer Angehörigen angewiesen. Meist übernehmen professionell ausgebildete Frauen aus Osteuropa die Aufgaben einer solchen 24-Stunden-Betreuung.

Angebot an Arbeitskräften erhöht

Durch den Krieg in der Ukraine sind nun aber auch Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, die gerne eine solche Arbeit übernehmen würden. Und das bedeutet einen gewissen Druck für die bereits länger engagierten, legalen Betreuungskräfte, wie der Jurist Frederic Seebohm, Geschäftsführer beim Bundesverband häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger bestätigte.


Im Interview: Frederic Seebohm
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 17.03.2022, Länge: 05:12 Min.]
Im Interview: Frederic Seebohm


Win-win? Vorsicht!

Manche Familien zögen es vor, nun lieber jemanden aus der Ukraine zu beschäftigen, um so preiswerter an eine Hilsfkraft zu kommen. Und viele Flüchtlinge seien bereit und sogar dankbar für solche Angebote - schlicht, um überhaupt etwas Geld zu verdienen.

"Austausch" meist illegal

Übersehen werde aber häufig, dass so eine Übereinkunft aus arbeitsrechtlichen Gründen in der Regel illegal sei, gab Seebohm zu bedenken. Zudem liege das ausgehandelte Honorar für die Hilfskräfte häufig unter 1000 Euro im Monat - "weit unter dem, was normalerweise eine Betreuungsperson aus Rumänien oder Polen verdient." Auch Schwarzarbeit spiele eine große Rolle in der 24-Stunden-Betreuung.

Aus seiner Sicht stehe das Arbeitsministerium der Ampel-Regierung in der Pflicht, hier endlich für "rechtssichere Verhältnisse" zu sorgen, sagte Seebohm.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 17.03.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbld ganz oben zeigt eine Betreuerin, die einer Seniorin im Rollstuhl Kuchen anbietet (Archivforo: SR Fernsehen).

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