Berlin, 1. März 2022: Flüchtlinge aus dem ukrainischen Kriegsgebiet nehmen sich nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof angebotene Heißgetränke (Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken)

"Ich hätte noch nie so gerne in meinem Leben unrecht gehabt"

Ein Gespräch mit dem Migrationsforscher Dr. Franck Düvell, Universität Osnabrück, über die Fluchtbewegungen aus der Ukraine

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   03.03.2022 | 08:15 Uhr

Nach Einschätzung des Migrationsforschers Dr. Franck Düvell könnten demnächst bis zu zwölf Millionen Menschen aus der Ukraine auf der Flucht in Richtung EU sein. Höchst wahrscheinlich habe Wladimir Putin die Fluchtbewegungen einkalkuliert, um die EU unter Druck zu setzen. Ein Interview.

Der Migrationsforscher Dr. Franck Düvell von der Universität Osnabrück geht davon aus, dass sich in der Ukraine ein noch schlimmeres Szenario abspielen wird als er in seinen pessimistischsten Prognosen angenommen hatte.

Bald zwölf Millionen auf der Flucht?

Schon jetzt hätten über eine Million Menschen das Land verlassen, sagte Düvell im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Somit habe man "innerhalb von sieben Tagen" das "erlebt, was in Syrien anderthalb Jahre gedauert hat". Sollte Russland tatsächlich den gesamten Osten der Ukraine abschneiden wollen, beträfe dies "20 Millionen Menschen, die meisten Großstädte des Landes und alle Industriegebiete". Falls auch noch Odessa mit seinen vier Millionen Menschen dazu käme, könnten demnächst bis zu zwölf Millionen Menschen auf der Flucht sein.

Putins Kalkül

Seiner Einschätzung nach habe Wladimir Putin die Fluchtbewegungen einkalkuliert, um die EU unter Druck zu setzen. "Ich hätte noch nie so gerne in meinem Leben unrecht gehabt", sagte Düvell.


Im Interview: Franck Düvell, Migrationsforscher
Audio [SR 2, Kai Schmieding, 03.03.2022, Länge: 05:01 Min.]
Im Interview: Franck Düvell, Migrationsforscher


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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" am 03.03.2002 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Flüchtlinge aus dem ukrainischen Kriegsgebiet nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof Berlin (Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken).

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