27. Februar 2022: Menschen in einer Warteschlange vor einer Bank im Moskau  (Foto: picture alliance/dpa/AP | Victor Berzkin)

Lage in Russland "außerordentlich schwer einzuschätzen"

Ein Gespräch mit Dr. Matthias Dembinski, Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main, über die Stimmung in Russland

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   02.03.2022 | 07:25 Uhr

Der Konfliktforscher Dr. Matthias Dembinski geht davon aus, dass sowohl der militärische Druck auf die Menschen in der Ukraine als auch der innenpolitische Druck auf Wladimir Putin weiter zunehmen könnten. Ein Interview.

Die Lage in der Ukraine spitzt sich von Tag zu Tag zu: Die russischen Truppen näherten sich am Morgen des 2. März offenbar mit einem Konvoi der Hauptstadt Kiew. Dr. Matthias Dembinski vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main geht davon aus, dass die Menschen in der Ukraine sich vorerst auf noch Schlimmeres werden einstellen müssen.

Nicht alle hinter Putins Kurs

Die "eigentliche Basis" der Herrschaft von Russlands Präsident Wladimir Putin sei momentan der Sicherheitsapparat, sagte Dembinski im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.

Doch auch für Putin könnte die Lage innenpolitisch "eher bedenklich" werden. Denn viele junge Russinnen und Russen seien "entsetzt" über den Angriffskrieg, und auch die russischen Oligarchen und Wirtschaftsbosse sähen die Lage wegen der westlichen Sanktionen inzwischen "außerordentlich kritisch", und auch China deute allmählich einen "Positionswechsel" an.

Wenig Hoffnung auf Diplomatie

Das Dilemma bestehe nun darin, dass Putin den Krieg wohl weder gewinnen noch verlieren könne. Die Erfolgsaussichten diplomatischer Vermittlungsversuche schätze er als "nicht überwältigend" ein, so Dembinski.


Im Interview: Konfliktforscher Dr. Matthias Dembinski
Audio [SR 2, Kai Schmieding, 02.03.2022, Länge: 05:29 Min.]
Im Interview: Konfliktforscher Dr. Matthias Dembinski

Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte und von AP zur Verfügung gestellte Audio-Bild zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland, wie er dem Gouverneur von St. Petersburg, Beglow, während ihres Treffens im Kreml zuhört (Foto picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Nikolsky).


Der VeranstaltungsTipp:

Mittwoch, 2. März 2022, 18:30 Uhr

Krieg in der Ukraine. Zur aktuellen Situation
Online-Vortrag von Dr. Matthias Dembinski

Die öffentliche Veranstaltung findet ausschließlich online statt.
Der Stream wird via Zoom ausgestrahlt.

https://us06web.zoom.us/j/86152818389
Webinar-ID: 861 5281 8389

Weitere Informationen:
https://www.unionstiftung.de/veranstaltungen/krieg-in-der-ukraine-zur-aktuellen-situation/


Ludwigskirche, Saarbrücken, 19.30 Uhr
Einladung zum Friedensgebet
In Saarbrücken haben am Mittwochabend zwei Veranstaltungen gegen den Krieg in der Ukraine stattgefunden. Auf dem Tbilisser Platz trafen sich rund 200 Menschen zu einer Demonstration. In der Saarbrücker Ludwigskirche fand ein Friedensgebet statt.


Mehr zum Thema im Archiv:

Im Interview: Sabine Fischer, Osteuropa- und Russland-Expertin
"Der Westen muss seinen Druck weiter erhöhen"
Die Osteuropa- und Russland-Expertin Sabine Fischer sieht im Ukraine-Krieg derzeit keine Kompromissbereitschaft von russischer Seite. Der Westen müsse den Druck auf Putin deshalb noch "weiter erhöhen", meint Fischer - durchaus auch unter Einbeziehung von China. Ein Interview.

Politologe Dr. Volker Weichsel
Hoffnung auf einen Sturz Putins nur minimal
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Dr. Volker Weichsel hat Wladimir Putin "überhaupt keine Chance mehr", gesichtswahrend aus dem Ukraine-Krieg herauszukommen. Auch in Moskau herrsche mittlerweile die "schiere Angst", so Weichsel im SR-Interview.

"Wir haben den Schuss gehört"
Audio [SR 2, Katrin Aue / Josef Braml, 28.02.2022, Länge: 05:42 Min.]
"Wir haben den Schuss gehört"
Die Entscheidung der Bundesregierung, Waffen an die Ukraine zu liefern, wäre vor wenigen Tagen noch undenkbar gewesen. Ebenso das Versprechen, die Bundeswehr per Sondervermögen von 100 Milliarden Euro aufzurüsten. Die Bundesregierung strebt offenbar eine neue Rolle in der Staatengemeinschaft und in der NATO an. "Wer zu lange schläft, muss dann umso schneller in die Puschen kommen", meint der Politikwissenschaftler, USA-Experten und Autor Josef Braml im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Er hält den Umfang der Steuerausgaben für gerechtmäßigt. Nun müsse man zusehen, den militärischen Kurswechsel und das Russland-Problem im Schulterschluss mit Frankreich politisch zu managen, denn die augenblickliche transatlantische Einigkeit werde nicht allzu lange halten, sagte Braml voraus.


tagesschau.de
Liveblog zum Krieg in der Ukraine
Der russische Angriff auf die Ukraine hält die Welt in Atem. Informationen zur aktuellen Lage hier im Liveblog von tagesschau.de


Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" und aus "Der Nachmittag" am 02.03.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 27. Februar 2022 zeigt Menschen in einer Warteschlange vor einer Bank im Moskau (Foto: picture alliance/dpa/AP | Victor Berzkin).

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