Cannabis-Pflanzen (Foto: Pixabay / rexmedlen)

Suchtforscher sieht noch viel Aufklärungsbedarf

Ein Gespräch mit dem Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver über die Situation fünf Jahre nach der Legalisierung von Cannabis auf Rezept

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   19.01.2022 | 16:45 Uhr

Der Frankfurter Suchtforscher Prof. Heino Stöver hat sich im SR-Interview für eine Entschlackung des momentan noch "sehr aufwändigen" Antragsverfahrens für ein Cannabis-Rezept ausgesprochen. Er hoffe, dass der neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung die "Aufklärung auf allen Seiten" unterstütze.

Vor fünf Jahren hatte der Bundestag einstimmig die Freigabe von Cannabis auf Rezept erlaubt - um beispielsweise als Schmerzmittel für Krebserkrankte zu dienen.

Bislang 80.000 Menschen dabei

Im Interview: Prof. Dr. Heino Stöver
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 19.01.2022, Länge: 04:46 Min.]
Im Interview: Prof. Dr. Heino Stöver

Anfangs sei der Widerstand der Ärzteschaft noch "sehr groß" gewesen, denn aus dem Studium sei den meisten Medizinern wenig über die Wirkung und Indikation bekannt, erläuterte Prof, Dr. Heino Stöver, Suchtforscher an der Frankfurt University of Applied Sciences, im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Inzwischen aber sei es immerhin rund 80.000 Patientinnen und Patienten in Deutschland gelungen, ihre Ärztin oder ihren Arzt von der Verschreibung zu überzeugen.

Aufwändiges Antragsverfahren

Das gegenwärtig noch "sehr aufwändige" Antragsverfahren müsse seiner Meinung nach "entschlackt" werden, forderte Stöver. Zudem brauche es noch "Aufklärung auf allen Seiten". Hier hoffe er u. a. auf die Mithilfe des neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert.


Mehr zum Thema im Archiv:

Im Interview: Prof. Dr. med. Eva Möhler
Gegen die kontrollierte Abgabe von Cannabis
Die Psychiaterin Prof. Dr. med. Eva Möhler hat sich im SR-Interview gegen eine kontrollierte Abgabe von Cannabis ausgesprochen. Es könne nicht sicher gestellt werden, dass die Droge nicht in falsche Hände gerate. Bei Kindern und Jugendlichen bestehe die Gefahr von Psychosen.

Nach Lauterbach-Vorstoß
Geteiltes Echo im Saarland auf mögliche Cannabis-Legalisierung
Die neue Bundesregierung könnte den Handel mit Cannabis legalisieren. Grüne und FDP sind für eine Freigabe, die SPD will eine regulierte Abgabe in Modellprojekten. Politiker und Experten im Saarland sind geteilter Meinung.

Umfrage unter Saarländern zur Legalisierung von Cannabis
Audio [SR 3, Jan Hennrich, 13.10.2021, Länge: 00:52 Min.]
Umfrage unter Saarländern zur Legalisierung von Cannabis
Im Zuge der Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP wird verstärkt darüber diskutiert, ob Cannabis künftig legal verkauft werden soll. Grüne und FDP sind für eine Freigabe, die SPD will eine regulierte Abgabe in Modellprojekten. In einer Straßenumfrage sprachen sich auch Saarländerinnen und Saarländer eher dafür aus. Als Begründung wurde unter anderem genannt, dass damit der Handel und Verkauf von Cannabis entkriminalisiert werde.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 19.01.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Cannabis-Pflanzen (Foto: Pixabay / rexmedlen).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja