Glyphosat: Pestizid unter Krebsverdacht (Foto: dpa)

Im Einsatz für eine Landwirtschaft ohne Pestizide

Ein Gespräch mit dem Bio-Landwirt Matthias Dörr, dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Ökolandbau im Saarland, über Ackerbau ohne Pestizide

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   12.01.2022 | 08:45 Uhr

Der saarländische Biobauer Matthias Dörr geht davon aus, das der Verzicht auf Pestizide zumindest im Ökolandbau umsetzbar ist. Schon jetzt bedürfe es nur noch "hier und da" noch einer gewissen Menge an Schutzmitteln. Die Branche befinde sich in einem Transformationsprozess - hin zu pilzwiderstandsfähigen Sorten.

Ob im Bier, auf Spielplätzen, in der Luft oder in unserem Körper – es lassen sich mittlerweile überall Spuren von Pestiziden aus der Landwirtschaft nachweisen. Obwohl immer sicherer feststeht, dass sie das Ökosystem und auch die Gesundheit des Menschen schädigen, werden immer mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die EU fordert deshalb, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 zu halbieren – eine europäische Bürgerinitiative verlangt sogar den vollständigen Ausstieg der europäischen Landwirtschaft aus der Nutzung chemischer Pestizide.

Kaum noch Pestizide im Biolandbau

Im Interview: Matthias Dörr
Audio [SR 2, Kai Schmieding, 12.01.2022, Länge: 05:23 Min.]
Im Interview: Matthias Dörr

Auch der saarländische Biobauer Matthias Dörr, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Ökolandbau im Saarland, unterstützt die Forderungen als notwendigen Schritt, der zumindest im Ökolandbau durchaus realistisch umsetzbar sei. Im "großflächigen Anbau" finde die Anwendung von Pestiziden bei den Biobetrieben schon heute "kaum noch statt". Nur "hier und da", besonders im Bereich der Dauer- und Sonderkulturen wie etwa beim Weinanbau, bedürfe es noch einer gewissen Menge an Pestiziden, räumte Dörr im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding ein.

Lösungansatz: "Piwis"

Aktuell laufe aber in "Transformationsprozess", bei dem mehr und mehr auf "Sorten, die auch pilzwiderstandsfähig" seien, gesetzt werde - die so genannten "Piwis". Bei diesen "vielversprechenden" Sorten bedürfe es überhaupt keiner Pestizide mehr. Die Total-Umstellung aus Piwis könne aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht von heute auf morgen erfolgen. Immerhin aber sei das Saarland schon jetzt das Bundesland mit dem höchsten Flächenanteil an Bodenflächen, die ökologisch bewirtschaftet würden, so Dörr.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 12.01.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einen Traktor beim Ausbringen von Pestiziden (Foto: ARD/plusminus).

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