Blick in ein Kaufhaus (Foto: SR Fernsehen)

Über die Versuchungen des "Black Friday"

Ein Gespräch mit dem Trendforscher Carl Tillessen über die psychologischen Hintergründe der Rabattschlacht

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   26.11.2021 | 07:45 Uhr

Auf den 26. November haben sich Schnäppchenjägerinnen und -jäger schon seit Wochen gefreut: Beim "Black Friday" überbieten sich Kaufhäuser und Onlineportale mit Rabatten. Doch warum klappt das so gut? Der Trendforscher Carl Tillessen hat im SR-Interview einige Erklärungen parat.

Seit einigen Jahren ist der "Black Friday" von den Vereinigten Staaten nach Deutschland übergeschwappt: eine alljährliche Rabattschlacht wenige Wochen vor Weihnachten.

Belohnungsgefühl und Verknappung

Im Interview: Carl Tillessen
Audio [SR 2, Holger Büchner, 26.11.2021, Länge: 05:36 Min.]
Im Interview: Carl Tillessen

Der Trendforscher und Autor Carl Tillessen nannte im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner vor allem zwei Gründe für so einen Massen-Kaufrausch: Erstens schalte das Belohnungsgefühl beim Kauf eines Produkts den Verlustschmerz des Geldes schnell aus, wenn die Prozentzahl des Rabatts groß genug sei. Zweitens setze die zeitliche Befristung eines vermeintlich günstigen Angebots die Schnäppchenjägerinnen und -jäger aus evolutionären Gründen einem "unwiderstehlichen Reiz" aus.

Immerhin sei der Mensch darauf "programmiert", sich "alles zu sichern, was knapp ist, weil wir nie wissen, wann es wieder kommt", erklärte Tillessen. In der Menschheitsgeschichte habe "7600 Generationen" lang Mangel geherrscht, gab Tillessen zu bedenken. Ein "Leben im Überfluss" existiere dagegen erst seit zwei Generationen.

"Attitude Behavior Gap"

Dass der Kauf eigentlich unnötiger Waren mit dem Gebot der Nachhaltigkeit kollidiere, werde von der Psychologie als "Attitude Behavior Gap" bezeichnet: Oft verhielten sich Menschen eben nicht so, wie sich sich verhalten sollten und wollten. "Das zeigt eigentlich, wie stark die Versuchung, ist, die von diesen Angeboten ausgeht", sagte Tillessen.

Wenn's alle machen...

Zudem spiele das Sozialverhalten eine gewisse Rolle - auch beim Konsum. "Wenn alle das machen, dann wird das schon richtig sein", brachte Tillessen den Herdentrieb auf den Punkt. Der gleiche Mechanismus könne aber auch im Sinne der Nachhaltigkeit genutzt werden - etwa beim "Kauf-Nix-Tag", dem Tag nach dem "Black Friday".

Der BuchTipp:

Carl Tillessen
Konsum - Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen

HarperCollins Verlag 2020
224 Seiten, 15,00 Euro
ISBN: 978-3-95967-395-2


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 26.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Menschen auf einer Kaufhaus-Rolltreppe (Archivfoto: SR Fernsehen).

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