Die Rosenburg am Venusberg in Bonn. Das Anwesen war von 1950 bis 1973 Hauptsitz des Bundesministeriums der Justiz.  (Foto: picture alliance / dpa | dpa)

Als NSDAP-Anhänger im Bundesjustizministerium saßen

Ein Gespräch mit dem Juristen Prof. Christoph Safferling, Universität Erlangen-Nürnberg, über die Wanderausstellung "Die Rosenburg" in Saarbrücken

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   25.11.2021 | 06:00 Uhr

Zwischen 1950 und 1974 hatte wohl die Hälfte des Personals im Bonner Bundesjustizministerium eine ehemalige NSDAP-Vergangenheit. Das hat der Jurist Prof. Christoph Safferling herausgefunden. Ein Interview zur Ausstellung "Die Rosenburg" im Audimax der Universität.

Bei der Wanderausstellung "Die Rosenburg" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) handelt es sich nach Ministerumsangaben um einen "Teil der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit" eben dieses Bundesjustizministeriums selbst. "Was bisher 'im Schatten' lag, soll ans Licht gebracht werden", heißt es auf der Homepage. Die Schau ist vom 25. November bis zum 17. Januar im Foyer des Audimax der Universität des Saarlandes zu sehen.

Hoher Anteil ehemaliger NSDAP-Anhänger

Im Interview: Prof. Dr. Christoph Safferling
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 24.11.2021, Länge: 04:51 Min.]
Im Interview: Prof. Dr. Christoph Safferling

Konzipiert wurde die Ausstellung unter Mithilfe des Juristen Prof. Christoph Safferling von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er und sein Team haben für den Untersuchungszeitraum zwischen 1950 und 1974 festgestellt, dass die Hälfte der 150 gesichteten BMJV-Personalakten eine ehemalige NSDAP-Mitgliedschaft belegen.

Ende der 1950er Jahre habe es sogar "knapp 77 Prozent" Ex-NSDAP-Mitglieder in den Reihen des Justizministeriumes gegeben, sagte Safferling im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Ein "braunes" Gesetz" hätten diese Leute zwar nicht erlassen - "an den ein oder anderen Punkten" habe man allerdings erkennen können, dass es im untersuchten Zeitraum auch "doch noch Fußabdrucke von einem Denken" gegeben habe, "was jedenfalls nicht dem Grundgesetz entspricht", stellte Safferling fest.

Informieren: Pflicht für Juristen

Erst im Sommer 2021 habe der Bundestag eine Regelung für das deutsche Richtergesetz verabschiedet, nach der sich angehende Juristinnen und Juristen künftig mit der Unrechtsgeschichte in Deutschland - und zwar sowohl mit der NS- als auch mit der SED-Diktatur - auseinandersetzen müssen.


Die Ausstellung


Die Rosenburg
Das Bundesjustizministerium im Schatten der NS-Vergangenheit

Eine Wanderausstellung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)

Ort
Universität des Saarlandes
Foyer des Audimax, Gebäude B4 1 Campus
66123 Saarbrücken

Dauer
25. November 2021 bis 17. Januar 2022

Öffnungszeiten
Montag bis Samstag: 9.00 bis 20.00 Uhr
Sonntags geschlossen

Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich! Es gelten die 3G-Regeln.

Die Universität des Saarlandes ist zwischen Weihnachten und Neujahr vom 24. Dezember bis zum 2. Januar geschlossen.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Nachmittag" am 23.11.2021 und in "Der Morgen" am 24.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die Rosenburg am Venusberg in Bonn. Das Anwesen war in den Jahren zwischen 1950 und 1973 Hauptsitz des Bundesministeriums der Justiz (Foto: picture alliance / dpa | dpa).

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