Blick auf einen Verkaufsstand auf einem Weihnachtsmarkt (Foto: Pixabay / Hans)

Weihnachtsmarktkaufleute zwischen Depression und Wut

Ein Gespräch mit Patrick Arens, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, über Weihnachtsmärkte und Corona-Politik

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   22.11.2021 | 07:45 Uhr

Patrick Arens vom Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute hat die vielen Verbote von Weihnachtsmärkten in Deutschland im SR-Interview kritisiert. Unter 2G-Auflagen sehe er im öffentlichen Raum keinen Grund. In der Branche herrsche "eine Riesendepression" und auch Wut.

Normalerweise finden in Deutschland in der Adventszeit rund 2500 Weihnachtsmärkte statt - mit grob geschätzt 160 Millionen Gästen, die von 188.000 zumindest temporären Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Glühwein, Lebkuchen und allerlei Geschekideen versorgt werden. Diese Zahlen stammen vom Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute. Für dessen Vizepräsident Patrick Arens sind die meist kurzfristigen Absagen "natürlich 'ne Katastrophe" und "noch schlimmer als im letzten Jahr", weil viele Anbieter ihre Marktstände bereits aufgebaut hätten und jetzt unverrichteter Dinge wieder zum Abbau gewungen seien.

"Riesendepression"

"Die Warenlager sind voll, alle haben sich ja mit ihrem letzten Geld teilweise die Buden noch mal verschönert, teilweise auch neu gebaut", gab Arens im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit zu bedenken. Unter vielen Kolleginnen und Kollegen herrsche "eine Riesendepression" und "teilweise natürlich auch Wut", so Arens. In Augsburg hätten Kollegen bereits eingekauften Glühwein in den Gully geschüttet, und mit Lebkuchen, Mandeln oder Obst könne man nun auch nichts mehr anfangen.

Stadt auf - Weihnachtsmarkt zu

Im Interview: Patrick Arens
Audio [SR 2, Jochen Marmit, 22.11.2021, Länge: 05:35 Min.]
Im Interview: Patrick Arens

Zur "Logik in der Corona-Politik" aber gehöre es offensichtlich, dass man Veranstaltungen als etwas betrachte, was man absagen müsse, "obwohl wir ja größtenteils an frischer Luft sind". Noch vor vier Wochen habe schon wegen der Erkenntnisse von Aerosolforschern, nach denen im Freien kaum die Gefahr einer Ansteckung bestehe, niemand daran gedacht, dass die Weihnachtsmärkte abgesagt werden könnten, stellte Arens klar. Der Branche sei bei ihren vielen Gesprächen mit der Politik zudem "immer wieder versichert worden", dass die Märkte stattfinden dürften, wenn auch "die Städte auf" hätten.

"Passt vorne und hinten nicht mehr"

Aus seiner Sicht seien die Absagen "paradox", weil viele Weihnachtsmärkte "auf öffentlicher Wegefläche" stattfänden bzw. hätten stattfinden sollen, auf denen die Menschen ohnehin ihre Einkäufe erledigten oder wo heiße Getränke über einen Ladenschalter verkauft würden. "Der Glühweinverkauf geht trotzdem weiter - an anderer Stelle dann. Das passt ja vorne und hinten nicht mehr", kritisierte Arens.

Lieber unter 2G öffnen

Arens plädiert für eine 2G-Regel statt für Absagen: Auf dem Weihnachtsmarkt in seinem eigenen Standort Dortmund werde noch erfolgreich mit 2G gearbeitet, dort machten auch "alle Besucher mit", und die 2G-Prüfungen stießen beim weitaus überwiegenden Teil der Menschen auf Verständnis.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oiben zeigt die Ware in einem Verkaufsstand auf einem Weihnachtsmarkt (Foto: Pixabay / Hans).

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