Helge Braun: "Das Wichtigste in der Pandemie ist, dass die Leute mitmachen"

"Das Wichtigste in der Pandemie ist, dass die Leute mitmachen"

Interview der Woche

Jim-Bob Nickschas   20.11.2021 | 13:30 Uhr

Was sind die Gründe dafür, dass Deutschland in der vierten Corona-Welle steckt? Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun von der CDU sieht das Hauptproblem in der zu niedrigen Impfquote. Darüber und über seine Ambitionen bezüglich des CDU-Vorsitzes hat er mit Jim-Bob Nickschas im Interview der Woche gesprochen.

15 Millionen ungeimpfte Erwachsene seien "einfach zu viel", um wieder zur Normalität zurückkehren zu können, sagt Helge Braun. Diesen Umstand lastet er aber nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern an, auch die Politik habe dazu beigetragen.

Es gibt genügend Impfstoff für alle

Die Phase der geschäftsführenden Regierung in der Pandemie sei ein echtes Problem: Es sei schon im Sommer klar gewesen, dass sich die Situation im Winter wieder zuspitzen könne, so Braun. Der laufende Regierungswechsel habe politisches Handeln aber sehr schwierig gemacht. Die kommende Ampel-Koalition habe gesagt, man solle die Pandemiebekämpfung ins Parlament holen, brauche weniger Maßnahmen. Das habe auf der einen Seite die "operative Arbeit" erschwert, aber auch die Symbolik, denn: "Das Wichtigste in der Pandemie ist, dass die Leute mitmachen", so Braun.

Man müsse jetzt die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Impfung nochmal steigern, sagt der geschäftsführende Chef des Bundeskanzleramtes. "Es ist genügend Impfstoff da, wir könnten alle erst- und zweitimpfen, es ist genügend Impfstoff da – auch für die Auffrischung". Die mittlerweile ca. vier Millionen verabreichten Booster-Impfungen seien "viel zu wenig". Bis Ende des Jahres müssten 27 Millionen weitere Booster-Impfungen durchgeführt werden, dazu gebe es keine Alternative.

Braun wünscht sich einen Neuanfang für die CDU

Für die CDU wünscht sich Helge Braun einen Neuanfang. Dafür trete er an im Rennen um die Nachfolge von CDU-Chef Armin Laschet. In den 16 Jahren Regierung unter Merkel, davon zwölf zusammen mit der SPD, habe man viele Kompromisse schließen müssen. Für Deutschland sei das zwar gut gewesen, für die CDU aber nicht. Man habe sich nicht klar genug abgrenzen können und zeigen, wofür die CDU eigentlich stehe. In dieser Situation stecke man nun aber nicht mehr. Dadurch allein werde Oppositionsarbeit aber nicht zu etwas Schönem – man müsse einhergehend die Positionen der CDU deutlicher machen und sich fragen, wohin man die Wähler verloren habe.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 20.11.2021 auf SR 2 KulturRadio.

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