"Die Hospitalisierungsrate ist die neue Inzidenz"

"Die Hospitalisierungsrate ist die neue Inzidenz"

Ein Gespräch mit Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio, nach den neuen Beschlüssen zum Infektionsschutzgesetz im Bundestag am 18. November 2021

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   18.11.2021 | 07:45 Uhr

Am 18. November waren sowohl die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten als auch der Bundestag zusammengekommen, um neue Regeln für die Corona-Politik zu beschließen. Demnach sollen die Maßnahmen künftig von der Hospitalisierungsrate abhängen, bestätigte Georg Schwarte vom ARD-Hauptstadtstudio im SR-Interview.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die Zahl der positiven Corona-Tests der letzten sieben Tage auf je 100.000 Einwohner am Morgen des 19. November in Deutschland bei 340,7.

Neuer Referenzwert

Doch wie bereits im Sommer vorgeschlagen, soll dieser Wert bei der Corona-Politik keine große Rolle mehr spielen: Als entscheidend für Freiheitsrechte-Einschränkungen soll demnächst die Hospitalisierungsrate als Richtschnur gelten. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder gemeinsam mit der Bundesregierung am 18. November beschlossen, wie Georg Schwarte aus dem ARD-Hauptstadtstudio im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit bestätigte: "Die Hospitalisierungsrate ist die neue Inzidenz".

Ab 3/100.000 flächendeckend 2G

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Gemessen werden soll nun, "wie viele Einwohner pro 100.000 in den vergangenen sieben Tagen wegen Corona ins Krankenhaus eingeliefert" worden seien, erklärte Schwarte. Schon ab drei Fällen sollen flächendeckend 2G-Regeln gelten, ab sechs Fällen "2Gplus" und ab neun Fällen sogar noch verschärftere Maßnahmen, die jedes Bundesland dann selbst über sein Landesparlament festlegen dürfe.

Starten solle das Ganze nach einer Übergangsfrist am 15. Dezember 2021, sagte Schwarte. Stoppen könnte das neue Infektionsschutzgesetz theoretisch noch der Bundesrat. Doch momentan sehe es so aus, dass auch die anfangs kritischen, unionsgeführten Länder Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen doch noch ihr Okay geben werden. Auch viele Virologen unterstützten den Plan, "die Leute von der Straße" zu holen, so Schwarte.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 19.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den geschäftsführenden Finanzminister und Kanzlerkandiaten Olaf Scholz bei der Bundestagssitzung zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes am 18. Novemebr 2021 (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld).

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