Gemischte Gefühle nach Glasgow

Gemischte Gefühle nach Glasgow

Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Dr. Maximilian Jungmann nach dem Abschluss der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow

Roland Kunz. Onlinefassung: Rick Reitler   15.11.2021 | 15:15 Uhr

Der Politikwissenschaftler Dr. Maximilian Jungmann hat im SR-Interview ein gemischtes Fazit zum Weltklimagipfel von Glasgow gezogen. Es habe zwar "Fortschritte in den Details" gegeben, insgesamt aber leisteten zu wenige Staaten "das, was getan werden" müsse.

Ist beim Weltklimagipfel in Glasgow ("COP26") zu viel oder eher zu wenig herausgekommen? Der Politikwissenschaftler Maximilian Jungmann, ein wissenschaftlicher Beobachter der Universität Heidelberg, kann beide Perspektiven verstehen.

"Fortschritte in den Details"

Immerhin habe es "einzelne Fortschritte in den Details" gegeben, was die Umsetzung des Pariser Abkommens aus dem Jahr 2015 angehe, sagte Jungmann im Gespräch mit SR-Moderator Roland Kunz. So könne man beispielsweise Abkommen zwischen einzelnen Staaten wie den USA und China positiv sehen - ebenso wie die gemeinsamen Beschlüsse mehrerer Staaten, bei denen es um den Ausstieg aus Kohle und Methan und die Finanzierung fossiler Energien gegangen sei.

Nord-Süd-Ungleichgewicht

Allerdings leisteten insgesamt nur ganz wenige Staaten "das, was getan werden" müsse, "um den Klimawandel zu begrenzen". Noch immer gebe es "eine ganz starke Differenz zwischen den Staaten, die den Großteil der Emissionen" verursachten - nämlich die USA, China, Russland und einige Länder EU - und eben jenen Staaten, die die Auswirkungen schon heute spürten und "um ihre Existenz" bangten. Letztere seien vor allem im globalen Süden beheimatet, zum Beispiel die Inselstaaten Fidschi oder Kiribati. Das alles aber sei keine Frage von Gut und Böse, betonte Jungmann.

"Historische Chance" für Deutschland

In Deutschland habe nun die Ampel-Koalition "die historische Chance, das, was in Glasgow verabredet wurde, direkt in die Koalitionsverhandlungen mit aufzunehmen" und "den Transformationsprozess für sich zu nutzen". Umstellen müssten "wir" unsere Wirtschaft "sowieso", meinte Jungmann.


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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 15.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Alok Sharma, Präsident der COP26, bei der Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz in Glasgow am 13.11.2021 (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder).

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