Licht und Schatten auf dem Weg zu einer Welt ohne Landminen

Licht und Schatten auf dem Weg zu einer Welt ohne Landminen

Ein Gespräch mit Dr. Eva-Maria Fischer, Handicap International

Stephan Deppen. Onlinefassung: Rick Reitler   10.11.2021 | 12:45 Uhr

Nach einer aktuellen Statistik verschiedener Hilfsorganisationen ist die Zahl der durch Landminen geschädigten Menschen im sechsten Jahr in Folge gestiegen. Trotzdem sieht Dr. Eva-Maria Fischer von "Handicap International" auch Erfolge auf dem Weg zu einer minenfreien Welt. Ein Interview.

Die Zahl der Opfer von Landminen ist nach einer aktuellen Statistik verschiedener Hilfsorganisationen das sechste Jahr in Folge gestiegen. Demnach haben Sprengsätze und Reste von Munition gut 7000 Menschen getötet oder verletzt - über 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Neue Konflikte und Altlasten

Der Anstieg sei vor allem auf aktuelle Konflikte zurückzuführen, erklärte Dr. Eva-Maria Fischer von der Hilfsorganisation "Handicap International" im Gespräch mit SR-Moderator Stephan Deppen. Handicap International ist eine gemeinnützige Organisation für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die in rund 60 Ländern aktiv ist.

Syrien sei zurzeit das Land mit den höchsten Opferzahlen - gefolgt von Afghanistan, Kolumbien, Irak, Ukraine und Jemen, sagte Fischer. Landminen-Altlasten aus kriegerischen Auseinandersetzungen gebe es außerdem besonders viele in Kambodscha, aber auch in Bosnien-Herzogowina und Kroatien.

Mosambique inziwschen minenfrei

Dem Hauptziel einer minenfreien Welt seien Handicap International und andere Hilfsorganisationen aber schon deutlich näher gekommen: Wegen des vertraglichen Verbots von Anti-Personen-Minen seit 1999 seien bereits 55 Millionen Minen vernichtet und viele betroffene Regionen geräumt worden, erläuterte Fischer. Mosambique beispielsweise, das früher zu den am stärksten verminten Ländern gehört habe, sei heute minenfrei.

Auch eine Geldfrage

Bedauerlicherweise hätten die noch betroffenen Länder nicht immer das Geld, um die aufwändigen und teuren Räumarbeiten zu bezahlen, erklärte Fischer. Kroatien sei inzwischen auch "auf einem guten Weg" und werde "in absehbarer Zeit auch die Minenfreiheit erreichen". In Bosnien-Herzegowina aber sei die Verminung so "extrem groß" und "extrem kompliziert", dass der Weg noch weiter sei.

Die Rolle der USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika bekleideten eine doppelte Rolle: Einerseits seien die USA ein großer Minenproduzent und-verbreiter gewesen und halte sich die Herstellung noch immer offen, andererseits stellten sie auch das meiste Geld für weltweite Entminungsaktionen zur Verfügung.

Deutschland habe seinen Bestand schon lange vernichtet, und in der EU habe es "sehr viele Produzenten" gegeben, die aber ebenfalls ausgestiegen seien und sich jetzt für eine minenfreie Welt engagierten, sagte Fischer.

Problemfall selbstgebaute Minen

Als "Besorgnis erregend" sehe sie die Tatsache, dass es immer mehr selbst gebaute bzw. improvisierte Minen gebe. Diese seien "viel schwerer in den Griff zu kriegen", denn sie würden "meistens durch nicht-staatliche Akteure" verlegt, "die natürlich mit 'nem Vertragswerk schwerer zu erreichen" und zudem viel schweer zu räumen seien.


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 10.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die kontrollierte Sprengung einer Landmine in Afghanistan (Foto: picture alliance/dpa/XinHua | Sanaullah Seim).

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