CDU: Wer zuckt als Erster?

Wer zuckt als Erster?

Ein Gespräch mit Franka Welz aus dem ARD-Hauptstadtstudio zum Fahrplan bis zur Wahl einer neuen Parteispitze für die CDU

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   03.11.2021 | 07:25 Uhr

Franka Welz aus dem ARD-Hauptstadtstudio geht davon aus, dass die Öffentlichkeit frühestens am Samstag erfahren werde, wer den Hut für den CDU-Parteivorsitz in den Ring werfen werde. "Mein Eindruck ist, dass jetzt wirklich jeder darauf wartet, dass ein anderer sich zuerst bewegt", sagte Welz im SR-Interview.

Die CDU will ihren neuen Parteichef bzw. ihre neue Parteichefin am 21. bzw. 22. Januar 2022 auf einem Parteitag wählen. Bis Mitte Dezember sollen zunächst die 400.000 Mitglieder über ihre Favoriten abstimmen und den Delegierten des entscheidenden Parteitags somit einen klaren Auftrag geben.

Die Stunde der Basis

Es sei das erste Mal in der Geschichte der Christdemokraten, dass die Partei ihren Vorsitz von so einer Befragung abhängig mache, denn die Satzung sehe das eigentlich nicht vor, bestätigte Franka Welz aus dem ARD-Hauptstadtstudio im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. "Wenn die CDU jetzt sagt - und das hören wir ja aus vielen Ecken - jawoll, jetzt schlägt die Stunde der Basis, der Mitglieder, dann muss sie das natürlich auch richtig machen", mahnte Welz. Und das brauche eben Zeit - selbst wenn bereits im März die nächste Landtagswahl, nämlich im Saarland, stattfinden werde.

"Die belauern sich"

Trotz des Zeitdrucks hielten sich die potenziellen Kandidaten für die Nachfolge von Armin Laschet aber noch bedeckt: "Mein Eindruck ist, dass jetzt wirklich jeder darauf wartet, dass ein anderer sich zuerst bewegt", sagte Welz. "Die belauern sich, auch um zu sehen, vielleicht, welches Team ein Konkurrent womöglich ins Feld führt".

Warten auf den 6. November

Zudem bemühe sich Noch-Parteichef Armin Laschet, bis zum Beginn der Nominierungsfrist am 6. November, "womöglich doch noch einen Konsens-Kandidaten zu finden". "Wer jetzt zucken würde, der würde diese Option natürlich zerschlagen", gab Welz zu bedenken. Sollte Laschet es schaffen, noch so einen "Konsens-Kandidaten" zu präsentieren, stelle sich andererseits sofort die Frage, ob man die Mitgliederbefragung überhaupt noch brauche. Ihrer Einschätzung nach sei es "gut möglich", dass die Öffentlichkeit erst ab 6. November erfahren werde, wer nun wirklich antreten wolle.

Wer hat Chancen?

Friedrich Merz werde zwar immer wieder als der "Kandidat der Basis" genannt - doch offizielle, belastbare Daten zu dieser Einschätzung gebe es nicht, stellte Welz klar. Höchstwahrscheinlich werde es sich beim Laschet-Nachfolger aber um einen Mann handeln, denn die immer wieder erwähnten Namen von Frauen wie Karin Prien oder Nadine Schön ließen bislang "keine Ambitionen auf den Vorsitz erkennen". Immerhin sei der Posten des Parteichefs für die Karriere zuletzt "nicht gerade förderlich" gewesen, räumte Welz mit Blick auf Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet ein.

Frauen unterrepräsentiert

Nicht "unterschlagen" dürfe man auch "das strukturelle Problem der CDU", die beispielsweise auf Kreisverbandsebene einen Frauenanteil von nur zwölf Prozent verzeichne. "Es gibt jetzt auch nicht Frauen wie Sand am Meer, wo man sagen würde, ja, die könnte man sich für höhere Aufgaben jetzt in diesem Moment vorstellen", erklärte Welz.


Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 03.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt Armin Laschet (r), den scheidenden CDU-Parteivorsitzenden, und Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär. Im Hintergrund veranschaulicht eine Grafik der CDU den Weg zum Parteivorsitz (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

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