"Wasserstoff ist ganz, ganz wichtig"

"Wasserstoff ist ganz, ganz wichtig"

Ein Gespräch mit Anja Paumen vor der Weltklimakonferenz in Glasgow

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   29.10.2021 | 07:45 Uhr

Die Umweltjournalistin Anja Paumen ist davon überzeugt, dass es für eine CO2-freie Energieversorgung viele Möglichkeiten gibt - auch ohne Atomkraftwerke. Wasserstoff werde künftig eine wichtige Rolle spielen, sagte Paumen im SR-Interview. Für die Klimakonferenz in Glasgow hoffe sie auf einen "Schulterschluss" der "großen Player" USA, China, Deutschland und EU.

Bei der Weltklimakonferenz in Paris 2015 hatte sich die Weltgemeinschaft auf ein Klimaziel geinigt: Die Unterzeichner wollen die Erderwärmung auf höchstens 1,5 bis 2 Grad plus im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen. Als Mittel sehen die Politiker die Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet eine "Große Transformation" praktisch der gesamten Weltwirtschaft - mit Folgen für das Alltagsleben aller.

Klimaschutz als "Gewinn" darstellen

In Glasgow soll es am 31. Oktober 2021 um Wege zum Ziel gehen - bei der Weltklimaschutzkonferenz COP 26. Die Umweltjournalistin und Buchautorin Anja Paumen ("Projekt Klimaschutz") rät im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue dazu, dort "total unvoreingenommen" über die "Maßnahmen" zu sprechen. "Schlimme Bilder" sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Glasgow aber besser nicht "an die Wand malen", sondern die Einschnitte lieber so darstellen, "dass wir gewinnen, wenn wir Klimaschutz umsetzen".

Vorreiterrolle für die "großen Player"

Sie vertraue auf den amerikanischen Präsidenten Joe Biden und auf die Versprechungen Chinas, bis 2030 den Kohlekraftwerk-Ausbau zu "peaken". Zudem glaube sie, dass die EU und damit auch Deutschland in Glasgow "eine ganz wichtige Rolle" spielen werden. Wenn es so "auf internationaler Ebene" zu einem "Schulterschluss zwischen großen Playern" komme, dann würden "die Kleineren - oder andere Länder, die bis dahin Blockierer waren, wie zum Beispiel Brasilien oder Saudi-Arabien - dass die dann sagen, au, das ist uns peinlich und das ist auch schlecht für unsere Wirtschaft, wir müssen da mit aufspringen", ist Paumen überzeugt.

"Ins neue Zeitalter der Erneuerbaren"

Der Politik stünden für eine klimaneutrale Energieversorgung "viele Möglichkeiten" zur Verfügung - auch ohne Atom- und Kohlekraftwerke. Gas brauche man nur noch "für den Übergang": Es müsse "klar sein, dass das wirklich nur 'ne Brückentechnologie" sei - und zwar "ins neue Zeitalter der Erneuerbaren", betonte Paumen.

Energieträger Wasserstoff

Wasserstoff sei in Zukunft als Energielieferant "ganz, ganz wichtig" und zudem "als Speicher" für den Strom aus erneuerbarer Energie geeignet. Außerdem sei Wasserstoff "Ausgangsstoff für chemische Reaktionen", die helfen würden, "CO2 einzusparen", sagte Paumen.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 29.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antriebsstrang auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA Mobility) 2021 (Foto: picture alliance/dpa | Sven Hoppe).

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