Klimapolitik: "Es muss an sehr vielen Stellen gleichzeitig was getan werden"

"Es muss an sehr vielen Stellen gleichzeitig was getan werden"

Ein Gespräch mit dem Journalisten Bernhard Pötter vor dem Klimagipfel in Glasgow

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   28.10.2021 | 07:45 Uhr

Der Journalist Bernhard Pötter zweifelt daran, ob die notwendigen "Maßnahmen" von allen Beteiligten umgesetzt werden, um Deutschland bis 2045 zum Null-Emissionsland zu machen. In vielen Industriezweigen werde noch "ein Riesenkampf" gegen die "große Transformation" geführt. Ein Interview.

Bis zum Jahr 2045 muss Deutschland nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz "klimaneutral" sein, also seinen CO2-Ausstoß deutlich heruntergefahren haben. Das bedeutet: Am besten keinerlei Verbrennungsmotoren und keine Kohle- und Gaskraftwerke mehr. Mit AKWs ist nach dem Willen der Regierung ohnehin bis Ende 2022 Schluss.

Nachholbedarf überall

Der Journalist und Autor Bernhard Pötter ("Die grüne Null") zweifelt daran, ob die für das Null-Emmissionsziel notwendigen "Maßnahmen" von allen Beteiligten umgesetzt werden. Er sieht die Kohleverbrennung, den Verkehr und die Gebäude als besonders große Probleme. Auch in der Landwirtschaft und im Finanzsystem herrsche Nachholbedarf. "Das Interessante ist, dass es eigentlich alles gleichzeitig passieren muss", sagte Pötter im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Widerstand gegen die "große Transformation"

In vielen Industrieunternehmen, beispielsweise in der Autoindustrie, werde allerdings noch "ein Riesenkampf" gegen die "große Transformation" geführt, bedauerte Pötter. Dabei seien die Preise für erneuerbare Energien "weltweit massiv gefallen".

Vom Klimagipfel in Glasgow am kommenden Wochenende erhoffe er sich neue Impulse: "Der politische Prozess, neben dem, was da technisch stattfindet, ist eigentlich wichtiger als das, was wo jetzt das letzte Komma noch gemacht wird hinter den Sachen, die in Paris beschlossen worden sind", sagte Pötter.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 28.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt zahlreiche Windkraftanlagen bei Husum (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt).

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