Zapfsäule an der Tankstelle (Foto: SR)

Wird Tanken und Heizen demnächst noch teurer?

Eine Gespräch mit Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion zu den Preiserhöhungen auf dem Energiemarkt

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   18.10.2021 | 08:00 Uhr

Die Kombination von Wirtschaftsaufschwung und massiven Lieferkettenproblemen hat schon jetzt zu starken Preiserhöhungen fürs Heizen und Tanken geführt. Und das Ende der Fahnenstange ist wohl noch nicht erreicht, vermutet SR-Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer im SR-Interview.

An den Tankstellen in Deutschland klettern die Preise seit Wochen steil nach oben: Über 1,70 Euro sind vielerorts bereits jetzt für den Liter Kraftstoff fällig. Ähnlich sieht es mit den Heizöl- und Gaspreisen aus: 28 Prozent mehr als noch vor einem Jahr kostet laut dem Verbraucherportal Verivox das Gas schon jetzt, bestätigte Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Das bedeute rund 400 Euro mehr im Jahr allein für die Wärme in der Wohnung.

Seit Monaten teurer

Über die Preisexplosion im Energiesektor
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, Karin Mayer, 18.10.2021, Länge: 03:54 Min.]
Über die Preisexplosion im Energiesektor

Und die nächste Preiserhöhungsrunde der Gasversorger lasse wohl nicht lange auf sich warten: "Elf Prozent im Durchschnitt" sollen dann nochmal oben drauf kommen, so Mayer. "Das würde dann ungefähr 160 Euro mehr für den Durchschnittshaushalt bedeuten". Einige saarländische Versorger hätten bereits angekündigt, in den nächsten Wochen und Monaten die Preise noch einmal neu berechnen zu wollen. Auch dann sei mit einer weiteren Preiserhöhung zu rechnen. Bei den Fernwärmekunden kämen die Erhöhungen noch schneller an, sagte Mayer. Dennoch erwarteten viele Versorger, "dass sich das auch nochmal ein bisschen" einpegeln werde.

"Es gibt ein weltweites Problem"

Hinter alldem steckten nicht nur eine erhöhte Nachfrage durch wieder in Schwung kommende Volkswirtschaften, sondern auch Lieferkettenprobleme: "Es gibt Staus in den Häfen, es gibt Gasschiffe mit Flüssiggas, die nicht abladen können, es gibt ein weltweites Problem", beschrieb Mayer die "Sondersituation".

Klimaschutzpolitik und soziale Härten

Sollte es zu einer Ampel-Koalition im Bund mit den Grünen kommen, werde wegen deren CO2-Besteuerungsplänen die Energie wohl noch einmal teurer werden. Das würde allerdings einem EU-Vorschlag aus der vergangenen Woche zuwider laufen, der Steuersenkungen bei den Energiepreisen empfohlen habe, "um das Ganze nochmal ein bisschen einzufangen", erklärte Mayer. Immerhin bestehe die Gefahr, den Aufschwung der Wirtschaft wieder abzubremsen, wenn die Energiepreise noch weiter stiegen.

Spannend werde es auch werden, zu sehen, ob eine neue rot-grün-gelbe Bundesregierung ihr Versprechen wahr machen werde, bei steigenden Energiepreisen "soziale Härten" abzufedern. "Eventuell beeinflusst das wirklich die Koalitionsverhandlungen", meinte Mayer.


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"Da wird's noch ganz schön Streit geben"
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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 18.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Zapfsäule an einer Tankstelle (Archivfoto: SR Fernsehen).

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