Ein übergroßer Schmetterling überfliegt den Planeten (Foto: Pixabay / geralt)

"Subventionen stoppen, die Klima und Biodiversität zerstören"

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Johannes Vogel, Experte am Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

Peter Weitzmann / Dr. Johannes Vogel   15.10.2021 | 17:45 Uhr

Vertreter aus rund 200 Staaten haben sich zur Weltnaturschutzkonferenz im chinesischen Kunming getroffen. In einer Erklärung wurde dazu aufgerufen, bis 2030 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Biodiversitätsexperte Prof. Johannes Vogel, hält 30 Prozent für eine unsinnige Festlegung.

Vom 11. bis zum 24. Oktober 2021 findet im chinesischen Kunming die sogenannte "Cop15", die 15. Weltnaturschutzkonferenz statt. Dort soll eine neue Strategie gegen das Artensterben erarbeitet werden. Die jetzt verabschiedete Erklärung, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, ist für Johannes Vogel eine Art, sich vor dem Handeln zu drücken.

"Wenn was weg ist, ist das weg“

"Subventionen stoppen, die Klima und Biodiversität zerstören"
Audio [SR 2, Peter Weitzmann / Dr. Johannes Vogel, 15.10.2021, Länge: 07:17 Min.]
"Subventionen stoppen, die Klima und Biodiversität zerstören"

Vogel, der auch Leiter des Museums für Naturkunde in Berlin ist, sagte dazu, man könne die riesige Landmasse Sibiren unter Schutz stellen. Das helfe den Tieren in Australien oder in Afrika aber nicht. Dennoch sei damit das Ziel 30 Prozent erreicht. Vogel fordert dagegen ein globales Vorgehen.

Der Mensch, so Vogel, ist eng vernetzt mit und abhängig von der Natur. "Gleichzeitig treten wir sie mit Füßen, nur um einem billigen Fleischkonsum und ähnlich unnützen Sachen zu frönen. Wenn was weg ist, ist das weg." Es gebe keinen Prozess, der alle Organismen wiederbringe, die für die Luft zum Atmen sorgen, für das Wasser zum Trinken, und dafür, dass es Nahrungsmittel gibt.

Hunderttausende Jahre für neue Böden

Ackerbau und Viehzucht seien hier auch deswegen möglich, weil die Böden nicht sofort wieder weggespült werden. Aber die Natur, die die Europäer in den letzten 6000 Jahren entwickelt hätten, sei eine ganz andere als die davor. "Wir haben bereits die Natur zum Untertan gemacht."

Gleichzeitig werden, beobachtet Johannes Vogel, von der ganzen Welt unglaubliche Mengen an Proteinen und Nahrungsmitteln nach Europa und Nordamerika geschafft. Am Amazonas etwa, seien die Böden jedoch nach drei Regensaisons weg. Es werde Hunderttausende von Jahren dauern, bis sich diese Böden dort wieder neu bildeten.

Subventionen stoppen

Die Menschen in Europa und Nordamerika gäben jedes Jahr enorme Subventionen für nicht nachhaltige Produktionsweisen aus. Diese hätten negative Effekte auf Klima und Biodiversität. "Es wird vom Markt geredet. Subventionen gehören aber nicht in den Markt. Die Subventionen, die Klima und Biodiversität zerstören, müssen gestoppt werden."

Dann ist nach Auffassung von Vogel auch genügend Geld da, um einen sozialen, gerechten Wandel zu erzielen und die Innovationen zu finanzieren, die notwendig sind. Vogel nimmt kein Blatt vor den Mund: "Wir können uns wandeln als Menschen. Wir haben dieses Ding zwischen unseren Ohren, was wir Gehirn nennen. Und damit muss endlich gearbeitet werden, damit es uns und unseren Kindern auch in zehn, 15 Jahren noch gut geht."

Riesige Aufgabe für die neue Regierung

Die neue Regierung hat nach Ansicht von Vogel die riesige Aufgabe, sich diesen Herausforderungen gegen alle Widerstände und gegen alle Interessen, die kurzfristig finanziell gesteuert seien, durchzusetzen. "Zum Wohle der Gesellschaft und der Welt."

Ein Thema in der "Bilanz am Mittag" am 15.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Auenlandschaft, die viel Biodiversität ermöglicht. (Foto: Pixabay / AlainAudet)

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