Eine Krawatte mit dem Logo der Jungen Union  (Foto: picture alliance / dpa | Axel Heimken)

"Wir brauchen eine Basisbefragung"

Ein Gespräch mit dem JU-Landesvorsitzenden Johannes Schäfer zur Erneuerung der CDU

Peter Weitzmann. Onlinefassung: Rick Reitler   15.10.2021 | 12:05 Uhr

Johannes Schäfer, der Vorsitzende der Jungen Union im Saarland, hat sich im SR-Interview für eine Mitgliederbefragung in Sachen Parteispitze stark gemacht. Inhaltlich müsse sich die CDU wieder auf den Weg zum Grundsatzprogramm begeben - durch eine Politik für die Mitte, die auch für Generationengerechtigkeit stehe.

Nach dem Debakel bei der Bundestagswahl sucht die CDU nach ihrer politischen und personellen Zukunft. Ende Oktober sollen die Kreisvorsitzenden aus ganz Deutschland darüber sprechen, wie die angestrebte Neuaufstellung der Parteispitze ablaufen soll. Unklar ist, ob die Parteibasis dann überhaupt mitreden bzw. mitbestimmen darf.

Deutschlandtag in Münster

Zunächst aber steht vom 15. bis zum 17. Oktober das bundesweite Treffen der Jungen Union (JU) auf dem Parteikalender. Aus dem Saarland ist u. a. der JU-Landesvorsitzende Johannes Schäfer beim "Deutschlandtag" in Münster zu Gast. "Es wird darum gehen, ein bisschen Wunden zu lecken und uns ein Stück weit auf uns selbst zu besinnen", räumte Schäfer im Gespräch mit SR-Moderator Peter Weitzmann ein.

Vor dem Deutschlandtag der JU
Audio [SR 2, Peter Weitzmann / Johannes Schäfer, 15.10.2021, Länge: 07:25 Min.]
Vor dem Deutschlandtag der JU

Dissenz

Man wolle erörtern, wie künftig Personalentscheidungen - auch an der Parteispitze - getroffen werden könnten. Der Jungen Union sei es wichtig, dass die Basis dabei "mit eingebunden" werde. "Es ist jetzt wirklich mal an der Zeit, dass man auch signalisiert, die Parteibasis wird gehört, und wir treffen die Entscheidungen nicht über die Köpfe unserer Mitglieder hinweg", stellte Schäfer klar. Zurzeit sehe er allerdings einen "Dissenz" zwischen "der Bundesebene und den Mitgliedern vor Ort".

Er selbst habe "keinen Favoriten" für die Nachfolge von Armin Laschet, sei aber auch nie ein Befürworter von Friedrich Merz gewesen.

Zurück zum Grundsatzprogramm

"Der neue Sound der CDU muss auf jeden Fall vollgepackt sein mit Inhalten", sagte Schäfer in Anlehnung an die Worte des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans. "Das hat uns, glaube ich, gefehlt in diesem Wahlkampf". Diese Inhalte müssten nun "als Partei gemeinsam" erarbeitet werden. "Deshalb ist es auch wichtig, dass sich die Partei auch auf den Weg zum Grundsatzprogramm wieder begibt", forderte Schäfer.

Saarland-verträgliche Klimapolitik

Dazu gehöre es aus seiner Sicht, auf jeden Fall "Politik für die Mitte der Gesellschaft" zu machen und auch "die Frage des Kliamschutzes zu klären". Es sei zwar wichtig, den Klimaschutz voranzutreiben, "aber gerade wir hier im Saarland wissen, dass beispielsweise an der Industrie, an der Automobilzuliefererbranche, an der Stahlindustrie extrem viele Arbeitsplätze hängen", gab Schäfer zu bedenken.

Rente und Schulden

Ein weiteres Anliegen der Jungen Union sei es, "generationengerechte Politik zu machen". Dabei komme es darauf an, "dass wir endlich Rentenkonzepte entwerfen, die die Rente auf Jahrzehnte sicher" stellten, "ohne die junge Generation besonders zu belasten". Auch die "Einhaltung der Schuldenbremse" gehöre dazu.

Mehr Basis-Veranstaltungen

Ein Problem der vergangenen Monate sei es gewesen, dass die Partei durch die "Corona-Pandemie" sich "viel zu wenig nochmal bei den Mitgliedern rückversichert" habe: "Es haben viel zu wenig Parteiveranstaltungen vor Ort stattgefunden - Sommerfeste, Grillfeste, Weihnachtsfeiern, wo man einfach mal wieder mit den normalen Mitgliedern ins Gespräch gekommen ist", bedauerte Schäfer. Gerade hier habe die Junge Union "großes Potenzial", sei "fest verwurzelt" - und müsse ihre Inhalte eben wieder "stärker nach außen bringen".


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Ein Thema aus der Sendung "Bilanz am Mittag" am 15.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Krawatte mit dem Logo der Jungen Union (Foto: picture alliance / dpa | Axel Heimken).

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