Der Landkreis Ahrweiler zwischen Bangen und Hoffen

Der Landkreis Ahrweiler zwischen Bangen und Hoffen

Ein Gespräch mit SWR-Reporter Johannes Baumert zum Stand der Dinge im Katatrophengebiet Ahrweiler drei Monate nach der Flut

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   14.10.2021 | 08:15 Uhr

Rund drei Monate nach der Flutkatastrophe dauern die Aufräumarbeiten noch immer an. Die Menschen in der Region Ahrweiler sorgten sich vor dem Winter, vertrauten auf die baldige Auszahlung von Wiederaufbauhilfen und hofften auf weitere Hilfskräfte, so SWR-Reporter Johannes Baumert im SR-Interview.

Drei Monate nach der Flutkatastrophe rund um das Ahrtal im Westen Deutschlands mit 133 Toten sind viele Häuser noch bis auf Weiteres unbewohnbar. Den Menschen vor Ort ist das Desaster noch deutlich anzumerken.

Aufräumarbeiten dauern an

"Aktuell ist es so 'ne Mischung aus Aufräumen auf der einen Seite und auf der anderen Seite natürlich immer noch der Eindruck dessen, was damals passiert ist", sagte SWR-Reporter Johannes Baumert im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Allerdings kehre allmählich "so ein bisschen Hoffnung" ein, "weil sich doch schon einiges tut". Die Straßen seien wieder befahrbar, die Städte "halbwegs aufgeräumt", so Baumert.

Sorge vor dem Winter

Gymnasium im Ahrtal: "Wir werden in eine Containerschule ziehen müssen"
Audio [SR 1, (c) Jessica Ziegler, Katja Scholl, 14.10.2021, Länge: 02:32 Min.]
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Die größte Sorge sei nun der nahende Winter. Denn vielerorts fehlten die Heizung oder ein funktionierendes Gasnetz, so dass die Menschen irgendwie mobile Heinzanlagen organisieren müssten. Die Soforthilfen des Staats seien bereits ausgezahlt worden, in Sachen Wiederaufbau-Hilfen seien die ersten Gelder in der laufenden Woche ausgezahlt worden. "Da geht's vor allem um Hausrat, der ja auch verloren gegangen ist", erklärte Baumert.

Warten auf Geld

Die Hilfsgelder für den Wideraufbau der Häuser seien für die kommenden Monate versprochen worden. "Da hab ich auch den Eindruck, dass die meisten Menschen sehr zuversichtlich sind, dass das geht". Immerhin hätten sich viele Menschen dafür verschulden müssen - oder müssten sich wohl noch verschulden.

Hilfskräfte weiter gebraucht

Die Hilfsbreitschaft sei nach wie vor groß - wenn auch nicht so groß wie im Sommer. Thomas Pütz vom Team des "Helfer-Shuttles" in Rheinland-Pfalz habe bereits um weitere Hilfskräfte gebeten. "Bis das wieder so wird, wie es irgendwann mal war, das wird Monate, wahrscheinlich eher wirklich Jahre dauern. Und auch danach wird es nie wieder so sein, wie es eigentlich mal war", sagte Baumert.


Drei Monate nach der Flut: Wiederaufbau im Ahrtal dauert an
Audio [SR 1, (c) Jessica Ziegler, Aaron Klein, 14.10.2021, Länge: 02:09 Min.]
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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 14.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 7. Oktober 2021 zeigt zwei Stühle im ehemaligen Wohnzimmer eines von der Flut zerstörten Hauses in Altenahr (Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler).

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