Cannabis-Pflanzen (Foto: Pixabay / rexmedlen)

Jugendpsychiaterin Möhler gegen kontrollierte Abgabe von Cannabis

Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf, über die Legalisierung von Cannabis

Gabi Szarvas. Onlinefassung: Rick Reitler   13.10.2021 | 14:45 Uhr

Die Psychiaterin Prof. Dr. med. Eva Möhler hat sich im SR-Interview gegen eine kontrollierte Abgabe von Cannabis ausgesprochen. Es könne nicht sicher gestellt werden, dass die Droge nicht in falsche Hände gerate. Bei Kindern und Jugendlichen bestehe die Gefahr von Psychosen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat sich entgegen früherer Aussagen für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" sagte er, mit einer kontrollierten Abgabe ließe sich dem Handel mit verunreinigtem Haschisch ein Riegel vorschieben. Diesem werde immer häufiger ein neuartiges Heroin beigemischt, um Konsumenten schnell abhängig zu machen.

"Schwelle wird niedriger"

Prof. Dr. med. Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf hat Bedenken, Lauterbachs Argumentation zu folgen. "Die Schwelle wird natürlich niedriger, wenn man das legalisiert", sagte Möhler im Gespräch mit SR-Moderatorin Gabi Szarvas.

Gefahr der Psychose

Im Interview: Prof. Dr. Eva Möhler
Audio [SR 2, Gabi Szarvas, 13.10.2021, Länge: 05:23 Min.]
Im Interview: Prof. Dr. Eva Möhler

Ihrer Erfahrung nach gebe es durchaus Jugendliche, die Cannabis ohne Schaden konsumierten, manche aber könnten schon nach kurzer Zeit des Konsums "psychotische Reaktionen" entwickeln. "Es gibt keine Möglichkeiten, vorherzusagen, welche jungen Menschen von dem Cannabiskonsum dann in eine Psychose abgleiten und welche das eben gut vertragen", stellte Möhler klar. Die Behandlung von "drogeninduzierten" Psychosen könne bis zu zwei Jahren dauern. Schließlich sei gerade das heranwachsende Gehirn "vulnerabel" und "sensitiv für bleibende Schäden", gab Möhler zu bedenken.

Resilienz trainieren

Eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene bedeute im Übrigen nicht, dass das Cannabis nicht auch in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gelangen könne. Diese sollten besser "lernen, ihre Emotionen zu regulieren und auch mit Stress umzugehen, ohne zu Substanzen zu greifen".


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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 13.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Cannabis-Pflanzen (Foto: Pixabay / rexmedlen).

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