Die CDU auf der Suche nach ihrer Zukunft

Die CDU auf der Suche nach ihrer Zukunft

Ein Gespräch mit ARD-Hauptstadtkorrespondentin Vera Wolfskämpf über die Erneuerungspläne der CDU

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   12.10.2021 | 08:15 Uhr

Nach ihrem Wahl-Desaster ringt die CDU um eine personelle und inhaltliche Erneuerung. Dabei gilt es, die Wünsche der Parteibasis, der Frauen-Union und die Ambitionen der potenziellen Laschet-Nachfolger unter einen Hut zu bringen. Und das alles unter Zeitdruck. Ein Interview zur Lage mit ARD-Hauptstadtkorrespondentin Vera Wolfskämpf.

"Brutal offen" soll jetzt in der CDU die Wahlschlappe aufgearbeitet werden - so hat es ihr Generalsekretär Paul Ziemiak am 11. Oktober formuliert: Bis Anfang 2022 solle die Partei ihre komplette Führungsriege inklusive des Bundesvorstands und des Präsidiums neu wählen.

Dabei könnte durchaus Ziemiaks Posten selbst wackeln, meinte Vera Wolfskämpf aus dem ARD-Hauptstadtstudio im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit: Immerhin trage auch der Generalsekretär die Verantwortung für den wenig erfolgreichen Wahlkampf um Armin Laschet.

Basis will mitreden

Insgesamt aber gehe es nicht nur um eine personelle, sondern auch um eine inhaltliche Erneuerung. Schon aus dem "Grundsatzprogramm" der Ex-Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer sei am Ende nichts geworden - nun müsse die Debatte um Inhalte eben erneut geführt werden. Dass dabei "die Mitglieder nicht beteiligt werden, kann ich mir fast nicht vorstellen", sagte Wolfskämpf. Zudem habe bereits die Frauen-Union ihre Ansprüche angemeldet, "inhaltlich, personell und strukturell" mehr beteiligt zu werden, "damit die CDU nicht nur jünger, sondern auch weiblicher" werde.

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Eine "natürliche Bewerberin" um den Posten des Parteivorsitzes sei zurzeit nicht in Sicht - ganz anders als bei den Männern. Hier hätten wohl seit Langem bekannte Parteivertreter wie Norbert Röttgen oder Friedrich Merz immer noch Ambitionen - für eine Verjüngung aber würden wohl eher Leute wie Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsexperte Carsten Linnemann oder Saar-Ministerpräsident Tobias Hans stehen. Ob es für den Parteivorsitz Kampfkandidaturen geben werde oder ein "Konsens-Kandidat" gefunden werden könne, sei derzeit völlig offen, so Wolfskämpf.

Die Zeit drängt

Die Frage sei nur, wie ein tragfähiges Ergebnis, um das sicherlich monatelang gerungen werden müsse, bis spätestens Januar präsentiert werden könne. Immerhin herrsche schon wegen der im März 2022 anstehenden Landtagswahl im Saarland ein gewisser Zeitdruck bei der CDU.


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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 12.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 12. Oktober 2021 zeigt Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär, nach einer Gremiensitzung der Partei im Konrad-Adenauer Haus (Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau).

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