Ex-Kanzler Sebastian Kurz und sein Nachfolger Alexander Schellenberg, beide ÖVP (Foto: picture alliance/dpa/APA | Robert Jaeger)

Ruhe nach dem Sturm?

Ein Gespräch mit Österreich-Korrespondent Wolfgang Vichtl über die politische Situation in Österreich nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   11.10.2021 | 07:55 Uhr

In Österreich soll mit dem bisherigen Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) wieder Ruhe im Kanzleramt einkehren, um das türkis-grüne Regierungsbündnis bis 2024 weiter führen zu können. Ein Interview zur Lage zwei Tage nach dem Rücktritt von Sebastian Kurz.

Nach dem Beginn strafrechtlicher Ermittlungen wegen des Vorwurfs gekaufter Umfragen und Medien-Beeinflussung hat Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstag, 9. Oktober 2021, die Reißleine gezogen und seinen Posten frei gemacht. Er behält allerdings sein Parlamentsmandat, den Parteivorsitz und die Macht des Fraktionsvorsitzenden.

Schallenberg soll Legislatur retten

Als Schuldeingeständnis wollen Kurz und seine Parteikolleginnen und -kollegen den Rücktritt keineswegs verstanden wissen. Nun soll mit seinem Wunsch-Nachrücker Alexander Schallenberg (ÖVP), dem bisherigen Außenminister, wieder Ruhe einkehren, um das türkis-grüne Regierungsbündnis bis zum Ende der Legislatur 2024 weiter führen zu können.

Neuwahlen abgewendet

"Ich glaube schon, dass Türkis-Grün so mit Schallenberg und Vizekanzler Kogler weiter regieren wird", sagte ARD-Wien-Korrespondent Wolfgang Vichtl im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Das politische Österreich sei zumindest "erleichtert, dass keine Neuwahlen anstehen, die teuer würden und das Land lange lähmen würden".

Schallenberg "ganz auf Kurz-Linie"

Mit dem Diplomaten Alexander Schellenberg werde nun ein Kanzler "ganz auf Kurz-Linie", aber "mit genügend Distanz zum ganzen Skandal", "einen ganz anderen Ton in die Politik bringen" und ein "Sittenbild von der Politik zeichnen können", wie es dem Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen "dann auch gefallen" werde, sagte Vichtl voraus.

Comeback-Pläne?

Während das ganze Thema "weiter koche", werde Sebastian Kurz wohl zunächst weiter an einem Comeback arbeiten. Dabei seien sich "viele nicht so sicher, ob das funktioniert", gab Vichtl zu bedenken: "Wer weiß, was noch 'rauskommt". Schon jetzt fragten sich manche Leute, wann jemand den Mut haben werde, Sebastian Kurz mitzzuteilen, dass es "vorbei" sei. Denn "wenn jemand weg ist, dann wird's plötzlich ein bisschen einsamer und frostiger um ihn 'rum", gab Vichtl zu bedenken. Ob am Ende überhaupt Klage gegen Kurz oder auch andere erhoben werde, werde frühestens 2022 entschieden.


Mehr zum Thema:

tagesschau.de: Österreichs neuer Kanzler
Wer ist Alexander Schallenberg?
Bereits am 11. Oktober soll er seinen Amtseid ablegen: Nach dem Rücktritt von Kurz wird Außenminister Alexander Schallenberg Österreichs neuer Kanzler. Wer ist der Mann?


Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 11.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt den aktuellen Ex-Kanzler Sebastian Kurz und seinen Nachfolger Alexander Schellenberg, beide ÖVP (Foto: picture alliance/dpa/APA | Robert Jaeger).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja