Jamaika-Bündnis: "Die Felle sind fast schon außer Sicht geschwommen"

"Laschets Felle sind fast schon außer Sicht geschwommen"

Ein Gespräch mit ARD-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik nach den Sondierungsgesprächen am 5. Oktober 2021

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   06.10.2021 | 07:45 Uhr

ARD-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik geht davon aus, dass Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) momentan schlechte Karten hat, um FDP und Grüne doch noch zu einem Jamaika-Bündnis zu bewegen. Noch aber sei es nicht undenkbar, dass auch die rot-grün-gelbe Ampel platze. Ein Interview.

Am 5. Oktober hatten sich Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und der Union getroffen, um grundsätzliche Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit in einem Regierungsbündnis auszuloten. Doch die Zeichen für eine schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition stehen für den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, offenbar alles andere als gut: "Mein Eindruck ist, die Felle sind fast schon außer Sicht geschwommen", sagte Barabara Kostolnik vom ARD-Hauptstadtstudio im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Die nächsten Etappen

Die Chancen auf Jamaika stünden momentan "nicht so besonders gut", denn die Grünen hätten wohl "nicht so große Lust", Laschet doch noch zum Kanzler zu machen. Sie gehe davon aus, dass sich nun FDP und Grüne nach jeweils internen Beratungen zunächst wieder zusammensetzen werden, um sich in einer nächsten Etappe der Sondierungsgespräche gemeinsam an den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz zu wenden.

Sollte dies so kommen, werde "Scholz sicher gewohnt selbstbewusst auftreten" und zunächst mal "einen kleinen Vortrag" halten, so Kostolniks Vermutung.

Wer wollte Laschet schaden?

Nicht nur Vertreter der FDP und der Grünen, sondern auch Armin Laschet habe sich "genervt" darüber gezeigt, dass bestimmte Informationen aus den geheimen Gesprächen mit der Union von bislang unbekannter Seite nach außen gedrungen seien. "Es war sicher jemand, der Armin Laschet schaden wollte. Ich glaube, das kann man mit Fug und Recht behaupten", gab Kostolnik zu bedenken.

Ampel und Unionszukunft ungewiss

Noch aber sei es nicht undenkbar, dass die rot-grün-gelbe Ampel platze. "Aber ob dann die Union noch steht, das steht auf einem ganz anderen Blatt", sagte Kostolnik.


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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 06.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 5. Oktober 2021 zeigt Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU Chef, bei ihren Pressestatements zu den Sondierungsgesprächen vom 5. Oktober 2021 (Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler).

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