Sondierungsgespräch: "Wir dürften noch ein bisschen warten müssen"

"Wir dürften noch ein bisschen warten müssen"

Ein Gespräch mit SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck nach den Sondierungsgesprächen vom Wochenende

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   04.10.2021 | 07:45 Uhr

Während SPD und FDP sich relativ verhalten über die Erfolgsaussichten ihrer Sondierungsgespräche ausgelassen hätten, sei die Stimmung zwischen SPD und Grünen zumindest freundschaftlich 'rübergekommen, meint SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck. Auch wegen der Zukunft von Armin Laschet und Markus Söder in der Union sei noch vieles unklar.

Eine Woche nach der Bundestagswahl wird in Berlin weiter "sondiert": Die "Kanzlermacher" von FDP und Grünen loten untereinander und mit ihren vorab als potenziell auserkorenen Partnern von SPD und CDU/CSU Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus. Seit Freitag, 2. Oktober, haben Vertreter aller fünf Parteien das jedenfalls in unterschiedlichen Konstellationen getan.

SPD und Grüne "freundschaftlich"

Inhaltlich ist bis jetzt nur relativ wenig nach außen gedrungen. "Wir können natürlich die Statements interpretieren - und die waren doch schon ein bisschen unterschiedlich", räumte SR-Korrespondent Uli Hauck aus dem Berliner Hauptstadtstudio der ARD im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit ein. SPD und FDP hätten sich "eher verhalten" geäußert, "das Treffen zwischen Grünen und SPD war deutlich freundschaftlicher".

CDU und FDP pflichtschuldig

Beim ersten Treffen von Union und FDP hätten vor allem die beiden Generalsekretäre von CDU und CSU "das Verbindende betont" und gesagt, es gebe "große Gemeinsamkeiten in der Sache". Trotzdem habe FDP-Generalsekretär Volker Wissing vor der Presse "kein einziges Mal die Option einer Jamaika-Koalition überhaupt nur erwähnt".

Unionsstrategie unklar

Insbesondere in der Union sei momentan "unklar, wer was will", so Hauck. Während Armin Laschets Bekenntnis zur Jamaika-Option zwar noch immer deutlich zu erkennen sei - wohl, um sein Amt als CDU-Parteivorsitzender nicht zu verlieren -, habe CSU-Chef Markus Söder sich weniger klar positioniert. Womöglich sei es für den Franken angenehmer, bis zur Landtagswahl in Bayern 2023 zu warten, um dann von München aus Politik gegen ein Ampel-Bündnis im Bund machen zu können, spekulierte Hauck. Dahinter wiederum könnte womöglich das Vorhaben Söders stehen, 2025 als Kanzlerkandidat für die Union antreten zu können.

Druck auf Laschet gestiegen

Der Druck auf Armin Laschet sei jedenfalls nach kritischen Äußerungen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und JU-Chef Tilman Kuban am Wochenende weiter gestiegen. "Das will die SPD natürlich ausnutzen und möglichst schnell die anderen beiden Juniorpartner sozusagen vor vollendete Tatsachen stellen". Doch momentan sehe es nicht so aus, "dass sich Grüne und FDP da wirklich überrumpeln lassen", sagte Hauck. Ob bzw. wann und wie viele Dreiergesprächsrunden es noch geben könnte, sei am Morgen des 4. Oktober völlig offen.


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