"Die Ungeimpften nicht über einen Kamm scheren"

"Die Ungeimpften nicht über einen Kamm scheren"

Ein Gespräch mit Dr. Markus Schäfer, Experte für Gesundheitskommunikation an der Universität Mainz, über Kommunikationsprobleme in der Corona-Politik

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   21.09.2021 | 11:45 Uhr

Der Gesundheitskommunikationsexperte Dr. Markus Schäfer glaubt, dass die nur noch langsam steigende Impfquote in Deutschland auch mit persönlichen Organisationsproblemen zusammenhängt. Im SR-Interview plädierte er für eine "zielgruppengerechte Ansprache", zum Beispiel per Anruf, E-Mail oder Brief.

Gerade haben wir noch über eine Quasi-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen diskutiert, nun macht das Schlagwort "Freedom Day" die Runde. Andreas Gassen, Chef der Kassenärtzlichen Bundesvereinigung, hat gefordert, endlich auch in der Bundesrepublik alle Corona-Maßnahmen zu beenden: Schluss mit der "German Angst"!

Kritik an Gassen-Vorstoß

Für Dr. Markus Schäfer, Experte für Gesundheitskommunikation an der Uni Mainz, hat Gassen seine Idee eines Exit-Szenarios "nicht zu Ende gedacht". Er befürchte, dass dann allein zehntausende ungeimpfte Kinder unter zwölf Jahren ins Krankenhaus und "noch viel mehr" in Quarantäne gehen müssten, sagte Schäfer im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Dabei würde das Gesundheitssystem "stark" belastet - auch zum Nachteil aller anderen Behandlungsbedürftigen.

Zu geringe "Gesundheitskompetenz"

Er gehe davon aus, dass sich "nach wie vor viele Menschen" impfen lassen wollten, dies aber "nicht organisiert" bekämen. Dies habe auch etwas mit "Gesundheitskompetenz", prekärer Beschäftigung oder auch mangelnden Sprachkenntnissen zu tun. Da helfe es "überhaupt nichts, jetzt draufzuhauen oder Druck aufzubauen, wie das Herr Gassen vorschlägt" - diese bislang Ungeimpften brauchten vielmehr "Information, aktive Hilfe und Unterstützung", so Schäfer.

Passives Warten auf ein Impfangebot?

Die aktuelle Lage habe auch "mit widersprüchlicher Kommunikation zu tun" - von daher brauchten diese Menschen eine "zielgruppengerechte Ansprache", zum Beispiel per Anruf, E-Mail oder Anschreiben. Er gehe davon aus, das viele Menschen auf diesem Weg ihr "Impfangebot" erwarteten.


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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 21.09.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einige frisch vorbereitete Impfspritzen (Foto: SR Fernsehen).


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