Die USA zwischen Vietnam, 9/11 und heute

Die USA zwischen Vietnam, 9/11 und heute

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Bernd Greiner, Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist, über die Folgen des 11. September 2021 für die USA

Florian Mayer. Onlinefassung: Rick Reitler   10.09.2021 | 12:45 Uhr

Für den Historiker Prof. Bernd Greiner haben die Ereignisse vom 9.11.2001 nur in geringem Maß etwas mit der gegenwärtigen Spaltung der US-Gesellschaft zu tun. Die Zerrissenheit gehe vielmehr auf die Republikaner zurück, die schon vor gut 40 Jahren den Sozialstaat "pulverisiert" hätten. Ein Interview.

Der Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist Prof. Bernd Greiner sieht die Ereignisse vom 11. September 2001 nach 20 Jahren als eine Zäsur: Erstmals in der Geschichte sei damals nicht irgendein Drittwelt-Land, sondern die Führungsmacht der westlichen Welt in einem solchen Ausmaß "in Mitleidenschaft gezogen" worden.

Republikaner als Spalter

Mit der gegenwärtigen Spaltung der US-Gesellschaft habe Nine-Eleven und der folgende "Krieg gegen den Terror" aber nur "marginal" zu tun: Diese gehe vielmehr zurück auf die späten 1970er und frühen 1980er Jahre, als der Sozialstaat in den USA im Zuge des Neoliberalismus ohne Rücksicht "pulverisiert" worden sei, sagte Greiner. Seitdem hätten die Republikaner "keine Gelegenheit ausgenommen, weiterhin das innenpolitische Klima zu vergiften" und außenpolitisch auf die Demonstration von immer mehr Militärmacht zu setzen.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 10.09.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt US-Soldaten beim Transport eines Sarges mit einem Kameraden, der am 26. August 2021 bei einem Selbstmordanschlag in Kabul getötet wurde (Foto: picture alliance/dpa/AP | Manuel Balce Ceneta).

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