Bataclan ein Jahr nach den Anschlägen (Foto: Markus Person)

"Die Franzosen sind noch nicht fertig mit dem 13. November 2015"

Ein Gespräch mit Paris-Korrespondentin Julia Borutta am Tag des Prozessbeginns gegen die Hintermänner der Attentate vom 13. November 2015

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   08.09.2021 | 06:55 Uhr

Am 8. September beginnt in Paris der Prozess gegen die Hintermänner der Terroranschläge vom 13. November 2015. Damals waren 130 Menschen getötet, weitere 700 verletzt worden. Frankreich wolle nun dafür sorgen, dass am Ende "die Zivilisation über die Barbarei" siege, so Korrespondentin Julia Borutta im SR-Interview.

In der Nacht des 13. November 2015 waren in Paris 130 Menschen einem islamistischen Anschlag zum Opfer gefallen. Ein zentraler Tatort des tödlichen Terrorakts war u. a. das Konzerthaus Bataclan.

Nur 14 von 20 Angeklagten anwesend

Prozessauftakt in Paris
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Julia Borutta, 08.09.2021, Länge: 05:30 Min.]
Prozessauftakt in Paris

Ab dem 8. September 2021 werden die Ereignisse juristisch aufgearbeitet: 20 Menschen, die für die Planung verantwortlich sein sollen, seien von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden, berichtete Paris-Korrespondentin Julia Borutta im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger - darunter mit Salah Abdeslam der einzige Überlebende, der persönlich an den Attentaten beteiligt gewesen sein soll.

Sechs weitere der Angeklagten befänden sich zurzeit außerhalb des französischen Zugriffs: Einer sitze in der Türkei in Haft, die übrigen fünf Hintermänner könnten bereits an ihrem letzten bekannten Aufenthaltsorten Syrien und Irak zu Tode gekommen sein.

Zivilisation vs. Barbarei

"Vielleicht kann dieser Prozess jetzt dazu beitragen, in bestimmte Ecken dieses unglaublichen Vorfalls Licht zu bringen", hofft Borutta. Klar sei, dass "die Franzosen noch nicht fertig mit dem 13. November 2015" seien. Auf jeden Fall wolle Frankreich durchsetzen, dass "die Zivilisation über die Barbarei" siege.

Urteil Mitte Mai 2022 erwartet

Die rund 1800 Nebenkläger - u. a. ein Barbesitzer - würden wahrscheinlich schon zu Beginn des Prozesses "viel Raum bekommen", um ihre Aussagen zu machen. Auch Ex-Präsident Francois Hollande sei als Zeuge geladen. Die Befragung des Hauptangeklagten Abdeslam werde wahrscheinlich erst im Januar 2022 beginnen. Der gesamte Prozess werde sich wohl bis mindestens Mitte Mai hinziehen. Die Behörden gingen davon aus, dass es im Verlaufe dieser Monate zu weiteren Anschläge kommen könnte, erklärte Borutta.



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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 08.09.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt den Eingangsbereich des Konzerthauses Bataclan in Paris ein Jahr nach den Anschlägen (Archivfoto: Markus Person).

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