Taliban-Jubel nach Abzug der US-Truppen

Taliban-Jubel nach Abzug der US-Truppen

Ein Gespräch mit ARD-Korrespondentin Silke Diettrich über die Lage in Afghanistan am Morgen nach dem Abzug der US-Truppen

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   31.08.2021 | 07:45 Uhr

Nach dem Truppenabzug der Amerikaner haben die Taliban das Ende der Besatzung gefeiert. Nun stehen die neuen Machthaber vor großen Herausforderungen, meint Korrespondentin Silke Diettrich: Wie umgehen mit den Fluchtwilligen, mit Hunger und Armut und mit dem Rest der Welt? Ein Interview.

Kurz vor dem Beginn des 31. August 2021, noch vor Mitternacht Ortszeit, haben die letzten amerikanischen Soldaten Afghanistans Hauptstadt Kabul verlassen. Damit ist der Militäreinsatz der USA am Hindukusch nach knapp 20 Jahren beendet.

Taliban vor großen Herausforderungen

Die Taliban bejubelten das Ende der Besatzung mit lang anhaltenden Gewehrsalven, wie ARD-Korrespondentin Silke Diettrich aus Neu Delhi im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding berichtete. Nun gehe es den Taliban offenbar darum, gute Beziehungen zu den USA und dem Rest der Welt aufzubauen. Doch das dürfte "definitiv eine große Herausforderung werden", meinte Diettrich: Immerhin seien hunderttausende Menschen auch durch die Waffen und Terroranschläge der Taliban gestorben, über fünf Millionen seien auf der Flucht und der Konflikt mit dem Islamischen Staat (IS) sei noch nicht vorbei.

Maas will vermitteln

Ob und wie die Taliban Fluchtwilligen die Ausreise gewähren werden, sei noch unklar. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) sei bereits in diplomatischer Mission in Afghanistans Nachbarländern unterwegs, um Lösungen für die Flüpchtlinge zu finden. Zudem wollten die Vereinten Nationen und die 150 Hilfsorganisationen vor Ort im Einklang mit den Taliban weiter "humanitäre Hilfe" für das wirtschaftlich schwer gebeutelte Land leisten, so Diettrich.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 31.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 31.08.2021 zeigt drei Kämpfer der Taliban, die mit Fahnen den Truppenabzug der USA begrüßen (Foto: picture alliance/dpa/AP | Khwaja Tawfiq Sediqi).

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