Zwei Personen sitzen vor einem großen Bildschirm und spielen Computer (Foto: SR)

"Deutschland nur ein Entwicklungsland"

Ein Gespräch mit Tobias Nowak, Fachjournalist für digitale Unterhaltungselektronik, zum Start der Spielemesse "Gamescom" in Köln

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   25.08.2021 | 08:15 Uhr

Der Computerspiel-Experte und Journalist Tobias Nowak sieht Deutschland bei der Spiele-Entwicklung nur als ein Entwicklungsland. Das liege u. a. an dem Schmuddel-Image zwischen Gewalt und Sucht, das der Branche bis zu den späten Nuller Jahren zugeschrieben worden sei, so Nowak im SR-Interview.

Laut Computerspiel-Branchenverband "game" fallen in Deutschland nur noch 4,17 Prozent der Umsätze auf Spiele aus deutscher Produktion. Für Tobias Nowak, Fachjournalist für digitale Unterhaltungselektronik, ist Deutschland bei der Spiele-Entwicklung "nur ein Entwicklungsland".

Tobias Nowak im Interview
Audio [SR 2, Jochen Marmit, 25.08.2021, Länge: 06:03 Min.]
Tobias Nowak im Interview

Das liege auch an dem "problematisierenden Umgang mit Games", der hierzulande lange vor allem von der Gewalt- und Suchtdebatte geprägt gewesen sei. Dieses Schmuddel-Image habe sich erst seit den späten Nuller Jahren langsam geändert, erklärte Nowak im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Geringschätzung

Während andere Nationen wie etwa Frankreich, Schweden oder Kanada ihre heimischen Entwicklerbranchen bereits viel früher wirtschaftspolitisch unterstützt hätten, sei in Deutschland nach langen Jahren des Streits um die Förderwürdigkeit erst im vergangen Jahr ein bundesweites Förderprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro verabschiedet worden.

Kreativität vs. Bürokratie

Dass sich bei der Spiele-Entwicklung Kunst und Hochtechnologie berührten - also traditionell sehr agile, dynamische, nur begrenzt planbare Felder - passe allerdings schlecht zu den "ministerialen Ausschreibungskriterien" von Andreas Scheuers Verkehrsministerium, das noch immer für die Förderung der Computerspielbranche zuständig sei, gab Nowak zu bedenken.

Hintergrund

Nach einer aktuellen Umfrage des IT-Verbands Bitkom spielen über 50 Prozent der Menschen in Deutschland wenigstens ab und zu Computerspiele, über alle Geschlechter und Altersgruppen hinweg. 2020 wuchs der Spielemarkt in Deutschland um 32 Prozent, bis Juni 2021 kamen noch einmal 22 Prozent obendrauf. Der Umsatz liegt bei acht Milliarden Euro.

Am Abend des 25. August startet in Köln die "Gamescom", eine der weltweit größten Computerspiele-Messen, mit einer rein virtuellen Ausgabe. Das Motto 2021 lautet "Die neue Normalität".

Im Netz: https://www.gamescom.de


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 25.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt zwei Personen beim Spielen vor einem großen Bildschirm (Archivfoto: SR Fernsehen).

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