Als Berlin zur geteilten Stadt wurde

Als Berlin zur geteilten Stadt wurde

Ein Gespräch mit dem früheren SFB-Reporter Alexander Kulpok zum 60. Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   13.08.2021 | 09:08 Uhr

Als Bauarbeiter am 13. August 1961 begannen, mitten durch Berlin eine Mauer zu ziehen, konnte es der SFB-Reporter Alexander Kulpok kaum glauben. Heute weiß er mehr über die Hintergründe, bei denen von Anfang an Amerikas Angst vor einem Krieg mit der Sowjetunion eine große Rolle gespielt haben musste. Ein Interview.

Der Sonntag, 13. August 1961, ist als Tag des Beginns des Mauerbaus in die deutsche Geschichte eingegangen. Das DDR-Regime unter Walter Ulbricht ließ damals den Westteil der Millionstadt mit einer Steinmauer umgeben, der 28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage nicht durchbrochen werden sollte - bis zur "Wende" im Jahr 1989.

Keine Überraschung für die USA

Alexander Kulpok war als junger Reporter und Augenzeuge für den Sender Freies Berlin (SFB) vor Ort des Geschehens - und konnte es kaum glauben. SR-Moderatorin Sonja Marx hat mit ihm über seine Erinnerungen gesprochen - vom Chruschtschow-Ultimatum im November 1958 über den Kennedy-Besuch im Jahr 1963 bis zu seiner heutigen Erkenntnis, dass das Ganze hinter den Kulissen unter Einverständnis der Regierung in Washington abgestimmt gewesen war. Denn die Amerikaner hätten unter Präsident John F. Kenndy unbedingt eine militärische Auseinandersetzung mit dem DDR-Partner Sowjetunion vermeiden wollen, so Kulpok. Selbst die verärgerten Appelle an die Amerikaner von Willy Brandt, dem damaligen Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, seien deshalb in der Machtzentrale Washingtons reaktionslos verhallt.

Der TV-Auftritt von William Fulbright

Eine besondere Rolle beim Mauerbau hat nach Ansicht von Kulpok auch der demokratische Senatspolitiker J. William Fulbright gespielt - allerdings ohne, dass dessen Äußerungen bis zum heutigen Tage in der Öffentlichkeit sonderlich zur Kenntnis genommen worden seien. Fulbright habe nämlich bereits am 30. Juli 1961 in einem Fernseh-Interview sein Unverständnis darüber zur Sprache gebracht, dass die "DDR" angesichts der Massenflucht-Bewegungen ihrer Bürgerinnen und Bürger Richtung Westen nicht einfach ihre Grenzen schließe, gab Kulpok zu bedenken.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 13.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Arbeiter, die im August 1961 die Sektorensperre an der Bernauer Straße in Berlin erhöhen (Foto: picture alliance/dpa | Bildarchiv)

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