Warum das Tarifeinheitsgesetz nicht so funktioniert wie erhofft

Warum das Tarifeinheitsgesetz nicht so funktioniert wie erhofft

Ein Beitrag von Katrin Aue, SR-Landespolitikredaktion zum Streik der GDL

Onlinefassung: Rick Reitler   12.08.2021 | 07:05 Uhr

Der Grundgedanke des 2015 eingeführten Tarifeinheitsgesetzes - ein Betrieb, ein Tarifvertrag - scheint angesichts des GDL-Bahnstreiks nach hinten loszugehen: Kleinere Gewerkschaften wie die GDL müssen nun "umso verbissener darum kämpfen, größer zu werden", meint Katrin Aue aus der SR-Landespolitikredaktion. Und das bedeute letztlich: kleine Gewerkschaft - große Macht.

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) bremst zur Zeit die Bahn aus. Die einen finden, das sei der Egotrip einer Spartengewerkschaft und ihres Vorsitzenden. Die anderen sehen darin eher den Widerstand eines gallischen Dorfes gegen einen Riesenkonzern.

Ein Gesetz mit Denkfehler?

Dabei wurde doch 2015 auf Betreiben der damaligen SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles eigens das Tarifeinheitsgesetz eingeführt, um die Macht kleiner Gewerkschaften zu begrenzen. Dessen Grundprinzip: ein Betrieb, ein Tarifvertrag. Maßgeblich für alle sind dann die Verhandlungsergebnisse der mitgliederstärksten Gewerkschaft eines Betriebes.

Doch dieser Gedanke scheint nun nach hinten loszugehen: Gerade wegen des Tarifeinheitsgesetzes muss eine kleinere Gewerkschaft wie die GDL "umso verbissener darum kämpfen, größer zu werden", analysiert Katrin Aue aus der SR-Landespolitikredaktion. Zum Beispiel mit einem besonders konfrontativen Kurs. Und das bedeutet im Fall der GDL mit seinen vielen organisierten Lokführern und Zugbegleitern offensichtlich: kleine Gewerkschaft - große Macht.

Verhandlungsgemeinschaften die Lösung?

Der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Gregor Thüsing von der Uni Bonn fordert deshalb, dass die Gewerkschaften eines Betriebes langfristig Verhandlungsgemeinschaften bilden sollten. Anton Hofreiter, der Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, will das Tarifeinheitsgesetz lieber gleich ganz abschaffen - und zwar so schnell wie möglich.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 12.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 11. August 2021 zeigt den handgeschriebenen Schriftzug "GDL-Streik" auf einer Tafel an der Information im Hauptbahnhof Berlin (Foto: picture alliance/dpa | Annette Riedl).

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