Afghanistan: Siba Shakib kritisiert NATO-Taktik

Siba Shakib kritisiert NATO-Taktik

Die Einschätzung der Schriftstellerin, Filmemacherin und Politikberaterin Siba Shakib zur Lage in Afghanistan

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   12.08.2021 | 06:45 Uhr

Die deutsch-iranische Künstlerin Siba Shakib sieht die Hauptschuld für das Vorrücken der Taliban in Afghanistan bei der NATO. Das Militärbündnis habe weder tragfähige Strukturen hinterlassen noch mit den richtigen Leuten geredet. Nun seien gerade die gebildeteren und reicheren Menschen auf der Flucht.

Seit die internationalen Organisationen Afghanistan verlassen haben, erkämpfen sich die Taliban eine Stadt nach der anderen. Die deutsch-iranische Schriftstellerin, Filmemacherin und Politikberaterin Siba Shakib, die mit ihrem Roman "Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen" vor 20 Jahren weltweit bekannt wurde, bekommt nun fast täglich Hilferufe aus ihrer Heimat. 100.000 Menschen sollen bereits auf der Flucht sein.

Menschen auf der Flucht

Am schwierigsten sei die Situation für jene afghanischen Bürgerinnen und Bürger, die zuvor mit ausländischen NGOs, Truppen oder Botschaften zusammen gearbeitet hätten, sagte Shakib im SR. Diese hätten vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren angefangen, sich ein neues Leben aufzubauen und müssten jetzt wieder "alles hinter sich lassen".

Fehler der NATO

Die Hauptschuld sieht Shakib bei den NATO-Truppen, weil diese nach ihrem Abzug keine tragfähigen Strukturen in dem seit Jahrzehnten schwer gebeutelten Land hinterlassen hätten. "Statt zum Beispiel mit neuen Kräften, mit der jungen Generation, mit gebildeten Menschen zu reden, hat die NATO nach wie vor mit den Menschen geredet, die in Amt und Würden gewesen sind", kritisierte Shakib. Von diesen Amtsträgern eine Veränderung zu erwarten, sei "absurd".

Hoffen auf langfristiges Umdenken

Nun verließen gerade die gebildeteren und reicheren Menschen Afghanistan - "der Rest des Landes wird den Taliban überlassen". Ob diese irgendwann einmal ihren streng religiösen Machtanspruch hinter sich lassen würden, sei angesichts des Beispiels Iran äußerst zweifelhaft. Die Hoffnung, dass sich in beiden Ländern aber wenigstens langfristig etwas ändern könnte, gebe sie nicht auf, so Shakib.


Zur Lage im Iran: SR 2-ProgrammTipp

Samstag, 14. August, 9.05 Uhr: FeatureZeit
Liebe im Land der Mullahs - Frauengeschichten aus dem Iran
Die iranische Gesellschaft befindet sich im Wandel. Wenn es um Liebe geht, können viele Iranerinnen heute freier entscheiden als ihre Mütter und Großmütter. Die Frauen möchten endlich selbst über ihr Leben bestimmen. Das Thema in Monika Akbaris Feature am 14. August.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 12.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einen Grenzübergang zwischen Pakistan und Afghanistan mit vielen ausreisewilligen Menschen (Foto: picture alliance/dpa/AP | Jafar Khan).

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja