"Eine breite Mehrheit der Bevölkerung steht nicht mehr hinter Lukaschenko"

"Eine breite Mehrheit der Bevölkerung steht nicht mehr hinter Lukaschenko"

Ein Gespräch mit Moskau-Korrespondentin Christina Nagel zum Jahrestag der Präsidentschaftswahl in Weißrussland

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   09.08.2021 | 07:45 Uhr

Am Jahrestag der umstrittenen Präsidentschaftswahl von Belarus wird "wohl eher Totenstille als Protestaktionen" sehen, vermutet Moskau-Korrespondentin Christina Nagel. Denn der Beamten- und Sicherheitsapparat stehe weiter fest hinter Alexander Lukaschenko, so Nagel im SR-Interview.

Am 9. August 2020, also genau vor einem Jahr, ließ sich der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko zum Sieger der Wahl erklären. Das Ergebnis war international von Anfang an umstritten. Auch im Land selbst wollen sich viele Menschen nicht mir der vermeintlichen Wahlfälschung abfinden: Immer wieder kam es zu harten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Journalisten und Staatsapparat.

"Letzter Diktator Europas"

Lukaschenko habe seine Exekutive dabei mit "viel Härte, viel Druck und wirklich einer Systematik, die ihresgleichen sucht", agieren lassen, berichtet Moskau-Korrespondentin Christina Nagel im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Er habe seinem Beinamen als "letzter Diktator Europas" damit mehr als "alle Ehre gemacht".

Apparat hält zusammen

Inzwischen sei es wegen der Repressalien ruhiger auf den weißrussischen Straßen und in den Medien geworden: Am Jahrestag der Wahl werde man "wohl eher Totenstille als Protestaktionen in Belarus sehen", vermutete Nagel. Denn der Beamten- und Sicherheitsapparat stehe fest hinter Lukaschenko - einerseits, weil deren Vertreterinnen und Vertreter gut von Lukaschenkos System lebten, andererseits aus Angst vor der Bevölkerung, falls der Sturz doch noch gelingen sollte: "Dieses System hält zusammen, und das reicht eben durchaus aus, um zusammen mit der finanziellen und wirtschaftlichen Unterstützung aus Russland dieses System am Laufen zu halten".


Der Sr 2-ProgrammTipp:

Kontinent - Das europäische Magazin vom 10. August 2021
Tabula Rasa in Belarus - ein Jahr nach der Wiederwahl Lukaschenkos
Ein Jahr nach der Wiederwahl des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko werfen eine geflüchtete Olympia-Athletin und ein tot aufgefundener Aktivist erneut ein grelles Schlaglicht auf das Land. Das Schwerpunktthema im europäischen Magazin Kontinent am 10. August.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Protestteilnehmer am 8. August 2021, die an einer Demonstration gegen die Politik des belarussischen Präsidenten Lukaschenko teilnehmen (Foto: picture alliance/dpa/AP | Czarek Sokolowski).

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja