Waldbrände in der Türkei: Regierung unter Druck

Regierung Erdogan unter Druck

Ein Gespräch mit Istanbul-Korrespondentin Karin Senz über die politische Seite der Waldbrände in der Türkei

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   04.08.2021 | 06:55 Uhr

Angesichts der katastrophalen Waldbrände in der Türkei sind Vorwürfe gegen die Regierung Erdogan laut geworden: Die Löschflugzeug-Infrastruktur soll heruntergewirtschaftet, Hilfe aus dem Ausland ausgeschlagen worden sein. Istanbul-Korrespondentin Karin Senz über die Lage am Morgen des 4. August.

In der Türkei wüten schon eine gute Woche lang die schlimmsten Waldbrände seit über einem Jahrzehnt. "Nach offiziellen Meldungen mussten 16.000 Menschen ihre Häuser verlassen", bestätigte Istanbul-Korrespondentin Karin Senz im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Vorwürfe gegen Regierungspolitik

Offensichtlich bekämen die türkischen Rettungskräfte die Lage "nicht in den Griff", sagte Senz. Allmählich nähere sich die Feuersbrunst auch einem Kohlekraftwerk im Südwesten des Landes. "Die Regierung steht schon massiv in der Kritik", sagte Senz: Es stünden Vorwürfe im Raum, nach denen die Regierung die Löschflugzeuge-Infrastruktur des Landes heruntergewirtschaftet und Hilfe aus dem Ausland ausgeschlagen habe.

Bald Hotels statt Haine?

Es sei fraglich, ob die zerstörten Waldflächen wieder aufgeforstet würden, denn ein ausgerechnet am Tag des Feuerausbruchs verabschiedetes Gesetz habe die Entscheidungshoheit darüber vom Landwirtschafts- und Forstministerium auf das Tourismusministerium übertragen, erklärte Senz: "Ob da nun möglicherweise Hotels gebaut werden, das wird man sicherlich in naher Zukunft sehen", so Senz. Die Hintergründe der Waldbrände seien in der Türkei umstritten.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 04.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben vom 3. August 2021 zeigt Feuerwehrleute und einheimische Dorfbewohner, die in der türkischen Provinz Antalya gegen einen Waldbrand kämpfen (Foto: picture alliance/dpa/XinHua | -).

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