Gesundheitsminister setzen sich über STIKO hinweg

Gesundheitsminister setzen sich über STIKO hinweg

Ein Gespräch mit ARD-Hauptstadtkorrespondent Markus Sambale über den Beschluss der deutschen Gesundheitsminister, die Impfung für 12- bis 17-Jährigen zu forcieren

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   03.08.2021 | 07:45 Uhr

Hinter dem Beschluss der Gesundheitsminister, trotz Bedenken der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch 12- bis 17-Jährigen ein Impfangebot zu machen, steht nach Ansicht von ARD-Korrespondent Markus Sambale auch eine gewisse Ratlosigkeit. Die STIKO habe bereits angekündigt, Ihre Empfehlung "aktualisieren" zu wollen.

Obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) wegen der aktuellen Unklarheiten über mögliche Folgeschäden standhaft davon abrät, Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren gegen schwere Verläufe einer Corona-Erkrankung zu impfen, haben die Gesundheitsminister der Bundesländer am 2. August einstimmig beschlossen, genau das doch zuzulassen - und "Impfangebote" auch für diese Altersgruppe zu unterbreiten. Voraussetzung soll die Einwilligung der Erziehungsberechtigten und eine medizinische Aufklärung sein.

Problem Schulunterricht

Doch hinter dem Beschluss stehe wohl auch eine gewisse Ratlosigkeit, wie man nach den Sommerferien Präsenzunterricht gewährleisten könne, meint ARD-Hauptstadtkorrepondent Markus Sambale im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Denn auch nach anderthalb Jahren der Krise gebe es nicht überall die entsprechenden Konzepte für möglichst sichere Schulklassen.

STIKO will Empfehlung "aktualisieren"

Am Ende aber drehe es sich auch jetzt um ein Abwägen der verschiedenen Risiken: auf der einen Seite die möglichen Schäden einer Covid-19-Erkrankung, auf der anderen Seite die möglichen Schäden einer Impfung. Die STIKO habe bereits angekündigt, in etwa zehn Tagen ihre Empfehlung zu "aktualisieren", sagte Sambale.


Der andere Blickwinkel:

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Mit der Nicht-Beachtung der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, 12- bis 17-Jährige vorerst noch nicht zu impfen, untergräbt die Politik das Wissen genau jenes Expertengremiums, auf das es sich monatelang gerne berief. Damit verspielt die Politik Vertrauen und lenkt von eigenen Versäumnissen ab, meint Eva Ellermann in ihrem Kommentar.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 03.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine junge Frau, die sich gegen das Coronavirus impfen lässt (Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer).

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