Prof. Sebastian Koos: Regierungskritiker "isolieren"

Prof. Sebastian Koos: Regierungskritiker "isolieren"

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Sebastian Koos, Universität Konstanz

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   02.08.2021 | 08:45 Uhr

Der Konstanzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Sebastian Koos hat angesichts der Proteste in Berlin vom 1. August dazu aufgefordert, "diese Leute zu isolieren" und "eine klare Position" gegen "diese absolute Minderheit" zu beziehen. Es handele sich um Angehörige einer "heterogenen Misstrauensgemeinschaft".

Am 1. August waren erneut tausende Gegnerinnen und Gegner der Corona-Regierungspolitik auf den Straßen Berlins unterwegs - trotz Demonstrationsverbot. "Was diese Menschen eint, ist ein starkes Misstrauen in den Staat, in politische Institutionen", sagte der Politikwissenschaftler Prof. Sebastian Koos von der Uni Konstanz im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner, "gleichwohl kommen sie aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern - von rechts, links, aus der Mitte".

"Misstrauensgemeinschaft"

Die Angehörigen dieser "heterogenen Misstrauensgemeinschaft" seien häufig zuvor politisch inaktiv gewesen und hätten sich erst im Zuge der Pandemie "neu politisiert" und "im Laufe der Zeit etwas abgekapselt", so Koos. Es gehe ihnen nicht um Debatte, sondern um weitreichende Kritik, die "an den Grundfesten unserer Verfassungsdemokratie" rüttele. Die Menschen glaubten, dass sich gegen einen "als ungerecht empfundenen Staat" zur Wehr zu setzen.

"Eine absolute Minderheit"

Koos bemängelte, dass sich die Demonstrantinnen und Demonstranten nicht genügend gegen Extremismus abgrenzten. "Das sagt man zwar, aber man setzt es nicht um", sagte Koos. Er forderte, "diese Leute zu isolieren" und "eine klare Position" gegen "diese absolute Minderheit" zu beziehen.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 02.08.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Demonstranten in Berlin am 1. August 2021 (Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer).

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