"Aktion Deutschland hilft" freut sich über Rekord-Spendensumme

"Aktion Deutschland hilft" freut sich über Rekord-Spendensumme

Ein Gespräch mit Melanie Roßbach, Aktion Deutschland hilft, über die Verwendung von Spendengeldern im Kampf gegen die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   30.07.2021 | 07:55 Uhr

Die "Aktion Deutschland hilft" hat mittlerweile fast 150 Millionen Euro für die Flutopferhilfe gesammelt - knapp die Hälfte davon kam über die ARD-Sondersendung "Wir halten zusammen" in den Topf. Wie hoch sind die Verwaltungskosten? Ein Interview mit "Aktion Deutschland hilft"-Vorstand Melanie Roßbach über die Verwendung der Gelder.

Kurz nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatte die ARD eine Spendenaktion gestartet: Unter dem Motto "Wir halten zusammen" sind inzwischen allein über den ARD-Aufruf über 71 Millionen Euro eingesammelt worden. Die Gelder gehen komplett an die "Aktion Deutschland hilft", deren Topf mittlerweile mit fast 150 Millionen Euro gefüllt ist. "Das ist innerhalb von zwei Wochen der Wahnsinn", freute sich Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand und Mitgründerin von "Aktion Deutschland hilft" im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Betriebsausgaben sollen minimiert werden

Stand jetzt werde 87 Prozent des Geldes weitergeleitet an die kooperierenden Organisationen vor Ort, der Rest werde "für Betriebsausgaben" der "Aktion Deutschland hilft" verwendet. "Wir überlegen aber jetzt, das zu reduzieren", versicherte Roßbach, "zusammen mit dem Vorstand sind wir schon dabei, zu gucken, ob wir da ein bisschen 'runter gehen können und noch mehr eben in die Regionen bzw. den Betroffenen zukommen lassen können".

Schon viel geschehen

Die Kooperationspartner Malteser, Johanniter und Arbeiter Samariter Bund hätten vor Ort u. a. bereits Baulampen, Bautrockner und Wassercontainer besorgt und mobile Waschsalons eingerichtet, so Roßbach. Andere kleinere Organisationen unterstützten mit dem Geld beispielsweise Kindergärten.

Das Chaos strukturieren

Insgesamt sei bei einer solchen Katastrophe aber "das Chaos groß", sagte Roßbach. "Man muss es strukturieren, Und das Ziel unserer Organisation ist jetzt, über die Bürgermeister besser zu verstehen, wer konkret wie stark betroffen ist". Dankenswerter Weise hab das Rote Kreuz bereits 2013 eine Datenbank eröffnet, in denen "die Bedarfe, die Sachspenden und Geldspenden" eingetragen werden könnten. "Damit haben wir einen Überblick und können vermeiden, dass Doppelzahlungen passieren oder aber dass eine Person viel mehr bekommt als eine andere", versprach Roßbach.

Spenden als Soforthilfe

Angesichts der von der Versicherungswirtschaft geschätzten Gesamtschäden von mindestens fünf Milliarden Euro könne das alles aber lediglich "eine Soforthilfe" bzw. eine "Anschubfinanzierung" sein. Über die Frage, ob auch Stromkosten - etwa für Bautrockner - aus dem Topf gezahlt werden könnten, sei die Aktion Deutschland hilft noch "in der Planung".

Mitspracherecht "schwierig"

Es sei "schwierig", den Spenderinnen und Spender selbst ein Mitspracherecht für die Verwendung des Geldes einzuräumen: "Wir haben 42 Orte, darunter auch Städte, die betroffen sind von der Hochwasserkatastrophe", gab Roßbach zu bedenken.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 30.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Marienthal in der Eifel rund zwei Wochen nach der Flutkatastrophe (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Augst / Eibner-Pressefoto).

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