"Keine breite Protestbewegung" in Frankreich

"Keine breite Protestbewegung"

Ein Gespräch mit Frankreich-Korrespondent Cai Rienäcker zur Impfpflicht im Gesundheitswesen Frankreichs

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   27.07.2021 | 07:25 Uhr

In Frankreich müssen sich Beschäftigte im Gesundheitswesen bis zum 15. September impfen lassen - ein Nein zieht automatisch Suspendierung und Lohnsperre nach sich. Frankreich-Korrespondent Cai Rienäcker geht im SR-Interview davon aus, dass die Proteste der Maßnahmengegner nicht zum Erfolg führen werden.

Während die deutsche Regierung im Einklang mit der Mehrheit der Bevölkerung offiziell ein klares Nein zur gesetzlichen Impfpflicht abgibt, hat das französische Parlament in der Nacht zum 26. Juli ein Gesetz zur Schaffung einer Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen und zur Ausweitung des sogenannten "Gesundheitspasses" verabschiedet.

Demnach müssen sich bestimmte Berufsgruppen von der Krankenhausangestellten bis zum Feuerwehrmann bis zum 15. September impfen lassen - ein Nein zieht automatisch Suspendierung und Lohnsperre nach sich. Außerdem gibt es strengere Regeln für Bahnreisende oder Restaurantbesucher - auch sie müssen ihre Impfung nachweisen.

Impfskeptiker sollen "kapitulieren"

Im Grunde gehe es bei dem Gesetz darum, "den Alltag so nervig zu machen, dass, wenn man nicht geimpft ist, dass dann eben die Impfskeptiker irgendwann kapitulieren", sagte Frankreich-Korrespondent Cai Rienäcker im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. "60 bis 70 Prozent der Franzosen" stünden hinter den Maßnahmen.

Mehrheit bei Macrons Weg

Den "gewissen Unmut" beim Krankenhauspersonal und die seit Wochen andauernden Proteste, bei denen zehntausende Menschen gegen die immer strikteren Eingriffe in ihre Grundrechte auf die Straße gehen, hält er für aussichtlos. "Das ist keine breite Protestbewegung", meint Rienäcker, "da kann sich Präsident Macron seiner Sache relativ sicher sein". Lediglich "ein paar" Menschen würden wohl reagieren, indem sie ihre Arbeit im Gesundheitswesen aufgeben werden: "Ich glaub' aber nicht, das das jetzt eine Massenbewegung wird", so Rienäcker.


Hintergrund:

Beschluss des Parlaments
Frankreich führt Impfpflicht im Gesundheitswesen ein
In Frankreich gilt künftig für Beschäftigte im Gesundheitswesen eine Corona-Impfpflicht. Das Parlament in Paris hat in der Nacht zum 26. Juli entsprechenden Plänen von Präsident Emmanuel Macron zugestimmt. Betroffen sind zum Beispiel Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen.


Mehr zum Thema:

Debatte über Impfpflicht
Rixecker hält Einschränkungen nur für Ungeimpfte möglich
Roland Rixecker, Präsident des Verfassungsgerichtshofs des Saarlandes, hält Einschränkungen nur für Ungeimpfte während der Corona-Pandemie verfassungsrechtlich für möglich. Vorausgesetzt, alle haben in Deutschland ein Impfangebot bekommen und die Einschränkungen betreffen keine lebensnotwendigen Bereiche.


Der SR 2-ProgrammTipp:

Dienstag, 27. Juli 2021, 19.15 bis 20.00 Uhr
ici et là - das Magazin für die Großregion
Die grenzüberschreitenden Projekte im Norden der Großregion sind das Schwerpunktthema in "ici et là" am 27. Juli. Es geht u. a. um die "Europäische Vereinigung für Eifel und Ardennen", um die französische Landbevölkerung und ihr Wahlverhalten, um die "Mission Locale" und um einen Spaziergang durch Petite Roselle.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 27.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Demonstrantinnen und Demonstranten, die auf der "Droits de l'homme"-Esplanade am Trocadero-Platz in Paris an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfass teilnehmen (Foto: picture alliance/dpa/AP | Rafael Yaghobzadeh).

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja