Zehn Jahre nach Utöya: Norwegen noch immer traumatisiert

Norwegen noch immer traumatisiert

Ein Gespräch mit Skandinavien-Korrespondentin Sophie Dongels über den zehnten Jahres des Massakers auf der Insel Utöya

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   22.07.2021 | 08:25 Uhr

Zehn Jahre nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utöya durch den rechtsextremen Terroristen Anders Breivik sind viele Menschen im Land unzufrieden mit der Aufarbeitung, berichtet Skandinavien-Korrespondentin Sophie Dongels. Ein Interview.

Am 22. Juli 2021 ist es genau zehn Jahre her, dass der rechtsextreme Terrorist Anders Behring Breivik loszog, um im Regerungsviertel von Oslo eine Bombe zu zünden und kurz darauf auf Andersdenkende in einem politischen Sommercamp auf der Insel Utöya zu schießen. Am Ende waren insgesamt 77 zumeist junge Leute tot, über 200 verletzt, und Breivik kam ins Gefängnis.

"Anschlag gegen die gesamte Gesellschaft"

"Der Schmerz sitzt immer noch tief", berichtete Skandinavien-Korrespondentin Sophie Dongels am Jahrestag des Massakers im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Norwegen begreife die Tat noch heute als "Anschlag gegen das ganze Land, gegen die gesamte Gesellschaft".

Problem Rechtsextremismus

Viele Menschen seien allerdings unzufrieden mit der Aufarbeitung, sähen zu wenige Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus, so Dongels. Der norwegische Inlandsnachrichtendienst vermute heute sogar mehr Rechtsextreme im Land als vor zehn Jahren.

Gedenkstätte Utöya im Bau

Immerhin habe sich der Staat am Ende dafür entschieden, auf der Insel Utöya eine nationale Gedenkstätte mit 77 Bronzestelen zu errichten, die an die Opfer erinnern soll. Ein jahrelanger Streit mit Anwohnerinnen und Anwohnern habe verhindert, dass die Gedenkstätte zum zehnten Jahrestag fertig geworden sei, bestätigte Dongels.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 22.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt Trauerkränze an einem Steg vor der norwegischen Insel Ütoya: Hier fand am 22. Juli 201 das Massaker von Anders Behring Breivik statt (Foto: picture alliance / dpa | Aleksander Andersen).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja