Welchen Einfluss hat das Hochwasser auf den Wahlkampf?

"Kein Sturm im Wasserglas"

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dirk van den Boom über die Politisierung des Hochwassers

Kai Schmieding. Onlinefassung: Laszlo Mura   19.07.2021 | 11:11 Uhr

Die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen könnte auch einen Einfluss auf die Bundestagswahl im Herbst haben. Und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich schon einen empfindlichen Ausrutscher geleistet. Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dirk van den Boom.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier (SPD) spricht mit der Presse über die neusten Erkenntnisse der aktuellen Hochwasser-Katastrophe. Im Hintergrund witzelt Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) samt Gefolgschaft: Ein Bild, das sich schnell in die Gedächtnisse der Deutschen eingebrannt und für Empörung gesorgt hat.

Viel Aufmerksamkeit

"Ich glaube, dieses Bild wird ihn verfolgen für den Rest des Wahlkampfes", denkt Dirk van den Boom. Das Ereignis habe längst größere Kreise, auch über die Bundesgrenzen hinaus gezogen, so der Politologe im SR-Interview: "Alle haben sich weltweit mit großer Freude auf diese Bilder gestürzt, das ist kein Sturm im Wasserglas mehr."

Van den Boom attestiert Laschet "in mehrerer Hinsicht" kein gutes Krisenmanagement: "Er reagiert gereizt und unkonzentriert. Er macht den Eindruck, dass er die Sache nicht so furchtbar ernst nehme oder nur dann ernst nehme, wenn sich ein schönes Fernsehbild daraus entwickeln lässt."

Eine Gratwanderung

Sollte sich dieser Eindruck festigen, werde ihn das während des gesamten Wahlkampfes verfolgen, erklärt van den Boom. Gegenkandidat*innen und vor allem Annalena Baerbock von den Grünen, die sich in den letzten Wochen ebensfalls mehrere Patzer erlaubt hat, könnte dann an dieser Stelle "den Finger in die Wunde legen".

Im Umgang mit der Katastrophe sollten die Grünen aber behutsam vorgehen und sie nicht zu sehr politisieren, rät van den Boom. "Das mögen sehr viele Leute nicht, da wird es eher eine negative Reaktion geben." Auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht "zu wenig machen und es wird nicht darüber geredet". Nach den eigenen "PR-Desastern" müssten die Grünen jetzt beweisen, dass sie diesen schmalen Grat gehen können.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 19.07.2021 auf SR 2 KulturRadio.

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